Blog

Cesar Klein zum 150. Geburtstag – ein Künstler zwischen allen Stühlen

14. September 2026

Am 14. September 1876 wurde Cesar Klein in Hamburg geboren. Zum 150. Geburtstag widmet das Bröhan Museum diesem außergewöhnlichen Künstler eine umfassende Ausstellung, die sein vielschichtiges Werk erstmals in seiner ganzen Breite vorstellt.

Vom Handwerk zur Avantgarde

Kleins Weg zur Kunst verlief nicht geradlinig. Auf Wunsch der Eltern absolvierte er zunächst eine Lehre als Maler und Lackierer, besuchte danach die Hamburger Kunstgewerbeschule und schließlich kurzzeitig die Düsseldorfer Kunstakademie. Ein Stipendium brachte ihn 1898 nach Berlin, wo er an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums bei Max Seliger studierte. Diese Verbindung von handwerklicher Schulung und künstlerischem Anspruch sollte sein gesamtes Schaffen prägen: Glasmalerei, Buchkunst, Raumgestaltung und freie Malerei behandelte Klein zeitlebens als gleichwertige Ausdrucksformen.

Ab 1901 arbeitete er als Illustrator in der Steglitzer Werkstatt, einem der führenden Zentren der deutschen Buchkunstbewegung. Parallel entstanden erste Entwürfe für Glasfenster und Mosaike, unter anderem für die Werkstätten von Puhl & Wagner und Gottfried Heinersdorff, deren Zusammenarbeit ihn über Jahrzehnte begleiten sollte.

Berlin als künstlerisches Zentrum

Im Berlin des frühen 20. Jahrhunderts herrschte ein lebhafter Kunstbetrieb. Die Berliner Secession, 1898 als Reaktion auf den akademischen Kunstbetrieb gegründet, war das führende Forum für moderne Kunst in Deutschland. Klein stellte dort 1907 erstmals aus. 1910 gehörte er zu den 27 Künstlerinnen und Künstlern, die von der Secessionsleitung aus ihrer Ausstellung ausgeschlossen wurden – offiziell wegen angeblicher Unruhestiftung. Die Ausgeschlossenen gründeten daraufhin die Neue Secession, die sich rasch zur wichtigsten Plattform des Berliner Expressionismus entwickelte.

1912 nahm Klein an der Sonderbundausstellung in Köln teil, der bedeutendsten Leistungsschau der europäischen Avantgarde vor dem Ersten Weltkrieg. 1914 gehörte er dem Vorstand des Deutschen Werkbundes an und beteiligte sich intensiv an der Werkbundausstellung in Köln. Im November 1918 war er Mitbegründer der Novembergruppe, die eine grundlegende gesellschaftliche Erneuerung durch die Kunst forderte.

Raumkunst und Theater

Kleins angewandtes Werk machte ihn im Berlin der 1910er und 1920er Jahre zu einer allgegenwärtigen Größe. Glasfenster, Mosaike und Wandmalereien entstanden für Kinos, Theater, Warenhäuser, Villen und öffentliche Gebäude. Sein erstes großes Aufsehen erregte 1913 die expressionistische Ausstattung des Marmorhaus-Kinos am Kurfürstendamm.

1919 begann Klein eine intensive Tätigkeit als Bühnenbildner, unter anderem für die Regisseure Jürgen Fehling und Leopold Jessner. Im selben Jahr lehnte er einen Ruf an das neu gegründete Bauhaus in Weimar ab und übernahm stattdessen eine Lehrstelle an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums in Berlin, die 1924 in eine Professur an den Vereinigten Staatsschulen für Kunst und Handwerk mündete.

Verfolgung und Neubeginn

Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 begann für Klein eine Zeit der Repression. Infolge von Protesten des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes wurde er vom Lehramt beurlaubt und erhielt ein Berufsverbot als freier Maler. 1937 wurden seine Werke als „entartet“ diffamiert und aus öffentlichen Sammlungen entfernt. Klein zog sich nach Pansdorf in Ostholstein zurück.

Nach Kriegsende erlebte Klein einen künstlerischen Neubeginn. 1946 eröffnete die Hamburger Kunsthalle nach dem Krieg mit einer Einzelausstellung seiner Werke wieder. In seinem Spätwerk öffnete sich Klein zunehmend surrealistischen und abstrakten Tendenzen. Am 13. März 1954 starb er in Pansdorf.

Ein Künstler, der neu entdeckt werden will

Cesar Klein ist bis heute weniger bekannt als viele seiner Zeitgenossen. Das liegt auch daran, dass der größte Teil seines Werks – Glasfenster, Mosaike, Bühnenbilder – entweder zerstört wurde oder in der Rezeption gegenüber der freien Malerei lange zurückstand. Das Bröhan Museum möchte mit dieser Ausstellung dazu beitragen, dieses Ungleichgewicht zu korrigieren und Klein den Platz in der deutschen Kunstgeschichte zu geben, der ihm zusteht.

Literatur:

Dalinghaus, Ruth Irmgard: Lieber Rhythmus. Cesar Klein (1876–1954). Angewandte Kunst, Norderstedt 2021.

Pfefferkorn, Rudolf: Cesar Klein. Die Kunst unserer Zeit, Band 14., Berlin 1962.

Autoren: Eva Krassilovska und Natalie Schering

Bild: Cesar Klein, nach 1945, Nachlass Cesar Klein