{"id":67,"date":"2019-10-21T07:08:00","date_gmt":"2019-10-21T07:08:00","guid":{"rendered":"http:\/\/decandix-multi.elektrischerwalfisch.de\/decandix-blog\/2019\/10\/21\/im-fokus-nordic-design-die-antwort-aufs-bauhaus\/"},"modified":"2020-03-23T17:00:59","modified_gmt":"2020-03-23T16:00:59","slug":"im-fokus-nordic-design-die-antwort-aufs-bauhaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2019\/10\/21\/im-fokus-nordic-design-die-antwort-aufs-bauhaus\/","title":{"rendered":"IM FOKUS \/\/ Nordic Design. Die Antwort aufs Bauhaus"},"content":{"rendered":"<p>Nach der gro\u00dfenAusstellung \u201cVon Arts and Crafts zum Bauhaus\u201d zu Beginn des Jahres 2019 greift das Br\u00f6han-Museum mit einer zweiten Ausstellung die Bauhaus-Thematik auf. Stand bei der ersten Ausstellung der Wegvon der englischen Arts and Crafts Bewegung hin zum Bauhaus im Fokus, so besch\u00e4ftigt sich die Ausstellung \u201cNordicDesign. Die Antwort aufs Bauhaus\u201d mit der Reaktion der Nordischen L\u00e4nderauf das Bauhaus und die deutsche Moderne.<\/p>\n<p>Wie in allen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern besch\u00e4ftigte man sich auch in D\u00e4nemark, Schweden, Norwegenund Finnland mit den Auswirkungen der beginnenden Industrialisierung. Sollten sich die Gestalter f\u00fcr eine Zusammenarbeit mit der Industrie entscheiden oder eher die Kooperation mit dem Handwerk suchen? Und wie umgehen mit der sozialenFrage? Kann Gestaltung einen Beitrag zur L\u00f6sung der sozialen Probleme liefernund welche Konzepte m\u00fcssten daf\u00fcr entwickelt werden? Der erste Blick zur Beantwortung dieser Fragen richtete sich nach Deutschland, das durch die fr\u00fchereinsetzende Industrialisierung seit 1900 schon eine Reihe von Antworten gefunden hatte. Das Bauhaus ist dabei nur eines der Projekte der deutschen Moderne, die in den nordischen L\u00e4ndern diskutiert wurden. Wie die Rezeption der 20er und 30er Jahre zeigt, ist das Bauhaus damals weit von seinem Nimbus als \u201eLeuchtturm\u201c der Moderne entfernt, wie es heute gerne dargestellt wird. Vielmehr scheint es zumindest in der Wahrnehmung der nordischen L\u00e4nder von anderen Projekten, der Werkbundausstellung 1927 inStuttgart und dem Neuen Frankfurt mit dem CIAM-Kongress 1929, \u00fcberstrahlt zu werden, die von vielen Architekten und Gestaltern aus den nordischen L\u00e4ndernbesucht und in den Fachzeitschriften intensiv besprochen wurden.<\/p>\n<p>Ende der 20er Jahre feiert eine neueGestaltung in allen nordischen L\u00e4ndern erste Erfolge. In Finnland bekam AlvarAalto 1929 mit dem Lungensanatorium in Paimio seinen ersten bedeutenden Gro\u00dfauftrag. Seine Interpretation von funktionalistischer Gestaltung wird zur Grundlage eines ganz eigenst\u00e4ndigen finnischen Wegs der Moderne. Die einzigartigen Lebensbedingungen in Finnland, die Rolle von Licht und Farbezwischen Mittsommer- und Polarn\u00e4chten, aber auch die Schroffheit der Natur in Lappland flie\u00dfen in die Gestaltung mit ein und f\u00fchren zu einzigartigen \u00e4sthetischen Ergebnissen. Nach dem Zweiten Weltkrieg dr\u00e4ngt eine junge Generation von finnischen Gestaltern dann auch auf den internationalen Markt. Tapio Wirkkala liefert Entw\u00fcrfe sowohl f\u00fcr die Glasmanufakturen in Murano wie f\u00fcr die deutsche Firma Rosenthal und Aalto baut in Deutschland u.a. im Hansaviertel in Berlin.<\/p>\n<p>In Schweden bildet die gro\u00dfe Ausstellung Stockholm 1930 den Auftakt f\u00fcr die schwedische Interpretation des Funktionalismus. Sie orientiert sich konzeptuell an der Werkbundausstellung inStuttgart 1927 und am CIAM Kongress in Frankfurt 1929. Der Weg der schwedischen Gestaltung wird im Anschluss an die Ausstellung zwischen Funktionalisten und Traditionalisten heftig diskutiert. Bei aller Bewunderung wird eine direkte \u00dcbernahme der deutschen Konzepte abgelehnt, wobei der aus \u00d6sterreich emigrierte Architekt Josef Frank eine wichtige Rolle spielt. Auch Schweden verschmilzt die deutschen Konzepte mit lokalen Traditionen, wie den schon um die Jahrhundertwende formulierten Wohn- und Lebenstheorien von Ellen Key. \u201eSch\u00f6nheit f\u00fcr alle\u201c wird zum Credo des schwedischen Designs, das im Gleichklang mit dem schwedischen Wohlfahrtsstaat gute Gestaltung f\u00fcr alle Bev\u00f6lkerungsschichten erreichen m\u00f6chte. Geschickt beansprucht IKEA ab den 60erJahren dieses Erbe f\u00fcr seine Unternehmensstrategie und macht die schwedischen Konzepte dadurch gleichzeitig zum Exportschlager in der ganzen Welt.<\/p>\n<p>Der unmittelbare Nachbar D\u00e4nemark lehnt den deutschen Weg der Moderne hingegen kategorisch ab. Statt auf industrielle Fertigung setzen die d\u00e4nischen Gestalter aufs Handwerk. Der vom Bauhausmeister Marcel Breuer mitgepr\u00e4gte Wohnstil mit verchromten Stahlrohrm\u00f6beln wird als zukalt und zu technoid angesehen, die Formensprache als formalistisch und unpraktisch verdammt. Kaare Klint, der Vater des d\u00e4nischen Designs, stellt im Gegensatz dazu den Menschen und seine Anatomie in den Mittelpunkt der Gestaltung. Ein M\u00f6bel muss den Proportionen des K\u00f6rpers angepasst sein.Bequemlichkeit des M\u00f6bels wird als Grundlage der Gestaltung propagiert. Der warme Holzton, die weichen an die Natur angepassten Formen, der Lederbezug und die warmen Farben der Stoffe f\u00f6rdern das Wohlbehagen und bringen Design und Hygge einander n\u00e4her. In den 50er und 60er Jahren feiert das d\u00e4nische Design einen weltweiten Siegeszug und wird zum Inbegriff der skandinavischen Gestaltung.<\/p>\n<p>Die Reaktionen in den nordischen L\u00e4ndern auf die Entwicklungen in Deutschland sind nicht nur eine Antwort auf das Bauhaus,sondern vielmehr eine Antwort auf die beiden Str\u00f6mungen der deutschen Moderne: Man setzte sich sowohl mit der avantgardistisch-k\u00fcnstlerischen als auch mit der funktionalistischen, sozial engagierten Moderne in Deutschland auseinander. Beide Aspekte wurden zu Impulsgebern f\u00fcr die Gestaltung in den nordischenL\u00e4ndern und dienten dabei gleicherma\u00dfen als positive wie negative Vorbilder.<\/p>\n<p>In den Nordischen L\u00e4ndern entstand eine sehr eigenst\u00e4ndige Interpretation von Funktionalismus. Nicht die avantgardistische Form stand wie vielfach in Deutschland im Vordergrund, sondern die ma\u00dfgeschneiderte L\u00f6sung f\u00fcr eine Aufgabe. Zun\u00e4chst sollte die Problemstellung analysiert und erst dann die gestalterische L\u00f6sung erarbeitet werden. Die M\u00f6belentw\u00fcrfe des Norwegischen Designers Peter Opsvik sind daf\u00fcr das treffendste Beispiel. Sein mitwachsender Kinderstuhl Tripp Trapp hat die Welterobert und d\u00fcrfte einer der meist produziertesten Designentw\u00fcrfe weltweit sein. Der skandinavische Funktionalismus blieb deshalb nicht Avantgarde,sondern wurde versehen mit nationalen Besonderheiten der jeweiligen L\u00e4nder zur identit\u00e4tsstiftenden Konstante der Nordischen Nationen.<\/p>\n<p>Text: Tobias Hoffmann<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-3 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/0f2b0149e9d8011dab5162e7d3c0ce30_557a484b_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/0f2b0149e9d8011dab5162e7d3c0ce30_557a484b_1280-683x1024.jpg\" alt=\"\" data-id=\"525\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/0f2b0149e9d8011dab5162e7d3c0ce30_557a484b_1280.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2019\/10\/21\/im-fokus-nordic-design-die-antwort-aufs-bauhaus\/0f2b0149e9d8011dab5162e7d3c0ce30_557a484b_1280\/\" class=\"wp-image-525\" srcset=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/0f2b0149e9d8011dab5162e7d3c0ce30_557a484b_1280-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/0f2b0149e9d8011dab5162e7d3c0ce30_557a484b_1280-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/0f2b0149e9d8011dab5162e7d3c0ce30_557a484b_1280-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/0f2b0149e9d8011dab5162e7d3c0ce30_557a484b_1280-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/0f2b0149e9d8011dab5162e7d3c0ce30_557a484b_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Arne Jacobsen, Serie 7 Stuhl 3107, 1955 \u00a9 Arne Jacobsen Design I\/S \/ Fritz Hansen<\/figcaption><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/59d3f0e80942513f74063729f6bc6e43_06da3081_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/59d3f0e80942513f74063729f6bc6e43_06da3081_1280-1024x682.jpg\" alt=\"\" data-id=\"527\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/59d3f0e80942513f74063729f6bc6e43_06da3081_1280.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2019\/10\/21\/im-fokus-nordic-design-die-antwort-aufs-bauhaus\/59d3f0e80942513f74063729f6bc6e43_06da3081_1280\/\" class=\"wp-image-527\" srcset=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/59d3f0e80942513f74063729f6bc6e43_06da3081_1280-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/59d3f0e80942513f74063729f6bc6e43_06da3081_1280-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/59d3f0e80942513f74063729f6bc6e43_06da3081_1280-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/59d3f0e80942513f74063729f6bc6e43_06da3081_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Alvar Aalto \/ Aug. Louhen Rautas\u00e4nkytehdas O.Y. \/ O.Y. Huonekalu-ja Rakennusty\u00f6tehdas A.B., Krankenbett, Nachtschrank und Beistelltisch f\u00fcr das Tuberkulose-Sanatorium in Paimio, 1929\u20131932, Jackson Design AB, Stockholm \u00a9 Alvar Aalto Foundation<\/figcaption><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/70d82000c709e786d2adf87e83407c3e_d2c43a71_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/70d82000c709e786d2adf87e83407c3e_d2c43a71_1280-1024x682.jpg\" alt=\"\" data-id=\"529\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/70d82000c709e786d2adf87e83407c3e_d2c43a71_1280.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2019\/10\/21\/im-fokus-nordic-design-die-antwort-aufs-bauhaus\/70d82000c709e786d2adf87e83407c3e_d2c43a71_1280\/\" 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L\u00fcber, Kugelleuchte Typ G, Rott\u00f6ne, Entwurf um 1969, Sammlung Bar\u00df, Berlin \u00a9 Verner Panton Design<\/figcaption><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/dabd64624979468963378f0248efc753_49f801c6_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/dabd64624979468963378f0248efc753_49f801c6_1280-1024x768.jpg\" alt=\"\" data-id=\"530\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/dabd64624979468963378f0248efc753_49f801c6_1280.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2019\/10\/21\/im-fokus-nordic-design-die-antwort-aufs-bauhaus\/dabd64624979468963378f0248efc753_49f801c6_1280\/\" class=\"wp-image-530\" srcset=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/dabd64624979468963378f0248efc753_49f801c6_1280-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/dabd64624979468963378f0248efc753_49f801c6_1280-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/dabd64624979468963378f0248efc753_49f801c6_1280-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/dabd64624979468963378f0248efc753_49f801c6_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Kaj Franck \/ Nuutaj\u00e4rvi glassworks, Vasen \u201eSeifenblase\u201c, 1952, Privatsammlung \u00a9 Kaj Franck<\/figcaption><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der gro\u00dfenAusstellung \u201cVon Arts and Crafts zum Bauhaus\u201d zu Beginn des Jahres 2019 greift das Br\u00f6han-Museum mit einer zweiten Ausstellung die Bauhaus-Thematik auf. 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