{"id":63,"date":"2019-05-13T10:53:00","date_gmt":"2019-05-13T10:53:00","guid":{"rendered":"http:\/\/decandix-multi.elektrischerwalfisch.de\/decandix-blog\/2019\/05\/13\/im-fokus-skandal-mythos-moderne-die-vereinigung-der-xi-in-berlin\/"},"modified":"2021-03-05T11:29:11","modified_gmt":"2021-03-05T10:29:11","slug":"im-fokus-skandal-mythos-moderne-die-vereinigung-der-xi-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2019\/05\/13\/im-fokus-skandal-mythos-moderne-die-vereinigung-der-xi-in-berlin\/","title":{"rendered":"IM FOKUS \/\/ Skandal! Mythos! Moderne! Die Vereinigung der XI in Berlin"},"content":{"rendered":"<p>Die K\u00fcnstlergruppe Vereinigung der XI wurde am 5. Februar 1892 in Berlin gegr\u00fcndet. Zu ihr geh\u00f6rten unter anderem Max Liebermann, Walter Leistikow, Ludwig von Hofmann, Max Klinger und Dora Hitz als erste Frau. Regelm\u00e4\u00dfig im Fr\u00fchjahr pr\u00e4sentierten sie mit zirka 60 Exponaten aktuelle und \u00e4ltere Werke, zeigten Skizzen, Entw\u00fcrfe und integrierten erstmalig Kunsthandwerk in das k\u00fcnstlerische Gesamtkonzept (selbstgestaltete Rahmen, Steinzeug-Vasen, F\u00e4cher-Entw\u00fcrfe).<\/p>\n<p>Die Ausstellungen fanden in den ersten sieben Jahren in der Galerie Schulte im Palais Redern am Pariser Platz statt, dem Standort des heutigen Hotel Adlon. Durch die prominente Lage wurde hohe Aufmerksamkeit generiert: Nur einen Steinwurf von der Akademie der K\u00fcnste, dem Zentrum der etablierten Berliner Kunstweltentfernt, wirkten die programmatischen Ausstellungen der XI doppelt provokativ. Sie setzten wichtige Akzente. Durch ihr Engagement wurde in der Hauptstadt der deutsche Impressionismus etabliert und die neue, aus Frankreich und Belgien stammende Kunststr\u00f6mung des Symbolismus eingef\u00fchrt. Nicht nur Max Liebermann nutzte die Ausstellungen als Experimentierfeld. Bedeutende Symbolisten wie Max Klinger und Ludwig von Hofmann fanden hier eine regelm\u00e4\u00dfige Plattform und junge K\u00fcnstler wie Martin Brandenburg wurden gef\u00f6rdert. Walter Leistikow wurde nahezu \u00fcber Nacht ber\u00fchmt und Arnold B\u00f6cklin als Ehrenmitglied gewonnen.<\/p>\n<p>Auch die Pr\u00e4sentation der Werke war richtungweisend: Die XI bespielte den modernsten Ausstellungsraum Berlins, der als erster \u00fcber elektrische Beleuchtung verf\u00fcgte. 1899 wechselte sie zur neu er\u00f6ffneten und von Henry van de Velde gestalteten Galerie Keller &amp; Reiner. Als K\u00fcnstlerkuratoren konzipierten sie demokratisch organisiert ihre eigenen Ausstellungen und besorgten die H\u00e4ngung selbst \u2013 sie waren durch ihren mit der Galerie hart verhandelten Ausstellungsvertrag autonom und verstanden die Ausstellungen als eigenst\u00e4ndiges Gestaltungsmittel.<\/p>\n<p>Die Vereinigung der XI hatte als K\u00fcnstlergruppe ein kontinuierliches Wechselspiel von Individualit\u00e4t und Kollektivit\u00e4t. Ihr gemeinsames Ziel, freie Ausstellungen zu gestalten, eine angemessene Gruppengr\u00f6\u00dfe und regelm\u00e4\u00dfige private Treffen mit ausw\u00e4rtigen G\u00e4sten waren das Fundament f\u00fcr eine jahrelange Zusammenarbeit. Die ausgestellten Werke behielten im Rahmen der kleinen Arrangements ihre Aura. Allen Anfeindungen zum Trotz gab es ein Publikum f\u00fcr diese Ausstellungen, aus dem sich ein neuer Kundenstamm f\u00fcr die moderne Kunst entwickelte. Scharfsichtig bemerkte Julius Levin: \u201eWas ist dieses geheimnisvolle Etwas, was Freund und Feind zwingt, sich zu \u00e4u\u00dfern, was Keinen kalt bleiben l\u00e4\u00dft? Es ist die Unabh\u00e4ngigkeit der \u2018XI\u2019, die diesen Zauber aus\u00fcbt.\u201d<\/p>\n<p>Die Wirkung dieser ersten modernen K\u00fcnstlergruppe Deutschlands war enorm. Aus dem singul\u00e4ren Ph\u00e4nomen entwickelte sich landesweit eine neue Ausstellungspraxis, n\u00e4mlich die der Gruppenausstellung in kommerziellen Galerien. Dabei ging es um eine grunds\u00e4tzliche Verbesserung der Ausstellungssituation der bildenden K\u00fcnstler und ihrer von den Ausstellungen abh\u00e4ngigen wirtschaftlichen Situation. Als K\u00fcnstlerkuratoren nahmen sie ihr Schicksal in die eigene Hand. Ein Gr\u00fcndungsboom war die Folge und das Angebot erh\u00f6hte sukzessive die Nachfrage, was Hugo von Tschudi in seiner Kaisergeburtstagsrede von 1899 nachdr\u00fccklich bemerkte. Am Ende f\u00fchrte die kunstpolitische Arbeit der XI 1899 zur Gr\u00fcndung der Berliner Secession, die umfassender wirksam sein konnte. Liebermann meinte Jahrzehnte sp\u00e4ter, die Vereinigung der XI \u201ewar doch das Beste von allem gewesen\u201d.<\/p>\n<p>Die elf Maler der ersten Stunde indes erhielten nicht nur Anerkennung und Zuspruch, sondern es schlug ihnen Emp\u00f6rung und Unverst\u00e4ndnis in Form vernichtender Kritiken entgegen. Die Gruppenausstellung wurde von der konservativen Kritik als sinnlose \u201cSelbstisolierung\u201d gebrandmarkt, je nach Autor gerieten einzelne K\u00fcnstler ins Visier. Man forderte die Schlie\u00dfung, auch in den Ausstellungen selbst wurde verbal randaliert. Dennoch konnte Leistikow am Ende der ersten Ausstellung berichten: \u201eDer Erfolg unserer Ausstellung war ein \u00fcberraschender, niemals vorher hat eine so kleine Ausstellung hier einen solchen Aufruhr verursacht [\u2026] in anderen wirklichen Kunstst\u00e4dten M\u00fcnchen oder Paris w\u00fcrde diese Ausstellung ziemlich spurlos vor\u00fcbergegangen sein, hier bildete sie 3 lange Wochen hindurch das Tagesgespr\u00e4ch.\u201d<\/p>\n<p>Mit \u201cSkandal! Mythos! Moderne! Die Vereinigung der XI in Berlin\u201d<b> <\/b>wird dieser K\u00fcnstlergruppe erstmals eine Ausstellung gewidmet. Ein Teil der historischen Ausstellungen wird rekonstruiert und durch Werke aus dieser Schaffensphase der insgesamt 16 K\u00fcnstler erg\u00e4nzt. Dabei wird Bekanntes neben Unbekanntem zu sehen sein, die streitbare Berichterstattung soll zu Wort kommen, und das kunstpolitische Umfeld und die Skandale werden beleuchtet. Die Ausstellungen waren ein gesellschaftliches Ereignis, Alfred Lichtwark, Leiter der Hamburger Kunsthalle, formulierte f\u00fcr viele: \u201eIch freue mich riesig auf die Elf.\u201d<\/p>\n<p>Text: Sabine Meister<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-3 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/Hofmann-M\u00e4dchen-am-StrandeKL-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"826\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/Hofmann-M\u00e4dchen-am-StrandeKL-1024x826.jpg\" alt=\"\" data-id=\"253\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/Hofmann-M\u00e4dchen-am-StrandeKL-scaled.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/hofmann-maedchen-am-strandekl\/\" 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class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/Hitz-Das-Sonnenkind.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"693\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/Hitz-Das-Sonnenkind-693x1024.jpg\" alt=\"\" data-id=\"258\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/Hitz-Das-Sonnenkind.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/hitz-das-sonnenkind\/\" class=\"wp-image-258\" srcset=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/Hitz-Das-Sonnenkind-693x1024.jpg 693w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/Hitz-Das-Sonnenkind-203x300.jpg 203w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/Hitz-Das-Sonnenkind-768x1135.jpg 768w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/Hitz-Das-Sonnenkind-1039x1536.jpg 1039w, 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