{"id":58,"date":"2019-01-17T10:21:00","date_gmt":"2019-01-17T10:21:00","guid":{"rendered":"http:\/\/decandix-multi.elektrischerwalfisch.de\/decandix-blog\/2019\/01\/17\/im-fokus-von-arts-and-crafts-zum-bauhaus-kunst-und-design-eine-neue-einheit\/"},"modified":"2020-03-23T17:33:38","modified_gmt":"2020-03-23T16:33:38","slug":"im-fokus-von-arts-and-crafts-zum-bauhaus-kunst-und-design-eine-neue-einheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2019\/01\/17\/im-fokus-von-arts-and-crafts-zum-bauhaus-kunst-und-design-eine-neue-einheit\/","title":{"rendered":"IM FOKUS \/\/ Von Arts and Crafts zum Bauhaus. Kunst und Design &#8211; eine neue Einheit!"},"content":{"rendered":"<p>Um das Bauhaus ranken sich viele M\u00e4rchen und Mythen. Begriffe wie \u201eBauhausstil\u201c oder \u201eDie Bauhausidee\u201c sind Allgemeinpl\u00e4tze geworden. Das Bauhaus selbst wurde zum Mythos, zur Ikone der Moderne. F\u00e4lschlicherweise wird es sowohl zum H\u00f6hepunkt der Moderne gemacht und gleichzeitig auch als Ausgangspunkt der Moderne missverstanden. Die Ausstellung \u201eVon Arts and Crafts zum Bauhaus. Kunst undDesign &#8211; eine neue Einheit!\u201c will mit einigen dieser Mythen aufr\u00e4umen und einen Beitrag zu einer designgeschichtlichen Einordnung des Bauhauses leisten. Denn die Ideen und Konzepte des Bauhauses und auch seine gestalterische Sprache sind keine Geniestreiche ohne Vorl\u00e4ufer. Vielmehr sind sie nach dem Ende des Ersten Weltkriegs eine logische Fortsetzung der Entwicklungen, die 50 Jahre vorher vonder englischen Arts and Crafts-Bewegung angesto\u00dfen wurden. Ausgangspunkt ist die Industrialisierung. Dieser massive Epochenwandel in der Entwicklung derMenschheit l\u00f6st in England, dem Mutterland der Industrialisierung, intensive Diskussionen \u00fcber Kunst und Gestaltung aus. Dass mit Technisierung undindustrieller Produktion eine neue Zeit anbrach, war schnell klar, aber wie sollte man diese neue Zeit gestalten?<\/p>\n<p>Als Edward William Godwin1873 seine neuen M\u00f6bel vorstellt, war es mit H\u00e4nden zu greifen, dass hier etwas v\u00f6llig Neues angebrochen war. Befl\u00fcgelt durch den Japonismus, wagte einGestalter in seinen Entw\u00fcrfen eine absolute Reduktion, die v\u00f6llige Unabh\u00e4ngigkeit von allen historistischen Stilen. M\u00f6bel nahezu ohne Dekor, vielfach schwarz ebonisiert und einer \u00c4sthetik folgend, die sich nur aus derkonstruktiven Struktur ableitet. Das Konzept einer schlichten, sachlichenGestaltung war geboren. Einer \u00c4sthetik, die sich aus einer konstruktiven Logikableitete und zeitlos war, weil sie auf jegliche historische Bez\u00fcge verzichtete.<\/p>\n<p>Die Arts and Crafts-Bewegung lehnte die Industrialisierung ab und versuchte ein Gegenkonzept zu entwickeln. K\u00fcnstler und Architekten taten sich zusammen, weil sie mit der Qualit\u00e4t und der \u00c4sthetik der allt\u00e4glichen Dinge unzufrieden waren. Ausl\u00f6sendesMoment war die erste Weltausstellung in London 1851, die der erste gro\u00dfeAuftritt der industriellen Produktion war. Arts and Crafts wollte demHistorismus und der industriellen Produktion gute, moderne Gestaltung entgegenstellen, indem Arts and Crafts &#8211; die Kunst und das Handwerk &#8211; verschmelzen. Die K\u00fcnstler sollten sich nicht zu schade sein, allt\u00e4gliche Objekte zu entwerfen. In einer m\u00f6glichst engen Zusammenarbeit der K\u00fcnstler mit den Handwerkern entstanden Objekte, die k\u00fcnstlerischem Anspruch gen\u00fcgten. Ziel war die Einheit der K\u00fcnste &#8211; die Aufhebung einer Trennung von hoher und angewandter Kunst. Diese Idee der Einheit der K\u00fcnste ist eine der grundlegend neuen Konzepte, die die Entstehung der Moderne pr\u00e4gten und auch f\u00fcr das Bauhaus bestimmend waren. Das Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis von Maschine, Kunst und Handwerk wurde in den folgenden Jahrzehnten unterschiedlich interpretiert und die Diskussion flammte dann nachdem ersten Weltkrieg am Bauhaus noch einmal intensiv auf.<\/p>\n<p>Die Idee der Einheit der K\u00fcnste wurde schnell mit der Frage verbunden, ob die Moderne nicht einen Stil br\u00e4uchte. Als die schottischen und die Wiener Gestalter dazu \u00fcbergingen, nicht mehr nur das einzelne Objekt zu gestalten, sondern eine \u00c4sthetik f\u00fcr ganze R\u00e4ume zu entwerfen, entwickelte sich eine geometristischer Stil. Geometrische Formen und vor allem das Quadrat wurden als Ausdruck der modernen, von der Maschine gepr\u00e4gten Welt verstanden. Charles Rennie Mackintosh und Josef Hoffmann schufen Raumkunst &#8211; R\u00e4ume als begehbare Kunstwerke. In ihrem weitestgehend schwarz-wei\u00dfen geometrischen Stil setzten sie k\u00fcnstlerische Entw\u00fcrfe im angewandten Bereich um, die einer \u00c4sthetik der Maschine huldigten, ohne etwas mit maschineller Produktion zu tun zu haben. In ihrer Raumkunst schufen sie eine \u00c4sthetik, die von den De Stijl-K\u00fcnstlern ab 1917 in die freie Kunst -Malerei und Skulptur &#8211; \u00fcbertragen wurde. De Stijl griff den Geometrismus derWiener auf, abstrahierte und theoretisierte ihn in der Malerei und wandelte ihn in einen farbigen Geometrismus um, basierend auf den Prim\u00e4rfarben Rot, Gelb, Blau. Diese in der freien Kunst entwickelten \u00e4sthetischen Pr\u00e4missen \u00fcbertrug De Stijl dann in den angewandten Bereich und erstrebte einen alle Bereiche desLebens pr\u00e4genden Stil &#8211; den \u201cWillen zum Stil\u201d, wie ein Aufsatz von Theovan Doesburg betitelt ist.<\/p>\n<p>Der 1907 gegr\u00fcndete Deutsche Werkbund l\u00f6ste sich sukzessive von dem von Arts and Crafts gepr\u00e4gten Konzept der Einheit der K\u00fcnste. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstanden sichauch in Deutschland Gestalter wie Henry van de Velde, Richard Riemerschmid, Hermann Muthesius, Heinrich Vogeler und Bruno Paul selbstverst\u00e4ndlich als K\u00fcnstler. Im Zuge der Diskussion des deutschen Werkbundes ver\u00e4nderte sich dieses Selbstverst\u00e4ndnis. Der deutsche Werkbund arbeitete als Plattform f\u00fcr die F\u00f6rderung der Zusammenarbeit der Gestalter mit der Industrie. Man diskutierte \u00fcber die Systematik des Entwerfens im Kontext der industriellen Produktion, wasim Werkbundstreit 1914 eskalierte. Wie muss sich der Entwurfsprozess ver\u00e4ndern, damit Dinge maschinell gefertigt werden k\u00f6nnen? Soll man deshalb eineEinschr\u00e4nkung der k\u00fcnstlerischen Freiheit akzeptieren, nur um maschinellfertigen zu k\u00f6nnen? Ist man noch K\u00fcnstler, oder will man noch K\u00fcnstler sein,wenn man nun Partner oder Dienstleister der Industrie ist? Im Werkbundstreit 1914 wird genau \u00fcber diese Fragen gestritten. Van de Velde pl\u00e4diert f\u00fcr das Selbstverst\u00e4ndnis als K\u00fcnstler, f\u00fcr die k\u00fcnstlerische Freiheit und f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit von der Industrie. Hermann Muthesius nimmt die Gegenposition ein und spricht sich letztendlich f\u00fcr eine L\u00f6sung von der Kunst und ein neues Selbstverst\u00e4ndnis als Gestalter aus, ohne dass dieser Begriff damals schon inder Welt gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Mit dem Schlagwort \u201cKunst und Handwerk eine neue Einheit\u201d und einer damit sehr \u00e4hnlichen Positionen wie die Arts and Crafts-Bewegung startet Walter Gropius 1919 sein Projekt Bauhaus. Wie im Zeitraffer rezipiert das Bauhaus in den folgendenJahren die oben beschriebene Entwicklung. Gropius, der an der Werkbundtagung 1914 teilgenommen hatte, dreht die Uhr zun\u00e4chst zur\u00fcck und versucht mit der \u201cBauhausidee\u201d wieder die Einheit der K\u00fcnste zu propagieren. Schnell realisiert er jedoch, dass nicht das Handwerk, sondern die industrielle Produktion der bessere Partner f\u00fcr das Bauhaus ist. Er \u00f6ffnet das Bauhaus f\u00fcr die Maschine. Unter dem Einfluss des De Stijl-K\u00fcnstlers van Doesburg entwickelt sich ein geometristischer Stil, der heute als \u201cBauhausstil\u201d in aller Munde ist. Wie bei den Wiener K\u00fcnstlern und bei De Stijl entsteht eine durch den Geometrismus modern wirkende Gestaltung, die jedoch wenig mit der industriellenFertigung zu tun hat.<\/p>\n<p>Erst das Bauhaus unter Hannes Meyer in Dessau zieht einen Schlussstrich unter die Diskussion des Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisses von Maschine, Kunst und Handwerk. Meyer \u00f6ffnet das Bauhaus konsequent f\u00fcr die Zusammenarbeit mit der Industrie und l\u00f6st das Bauhaus von dem Konzept der Einheit der K\u00fcnste. Unter dem Schlagwort \u201cVolksbedarf statt Massenbedarf\u201d werden die Entw\u00fcrfeweniger extravagant-k\u00fcnstlerisch und daf\u00fcr sachlicher und funktionaler. Mit der Einf\u00fchrung des neuen Begriffs Gestaltung &#8211; ab 1926 f\u00fchrt das Bauhaus den Untertitel Hochschule f\u00fcr Gestaltung &#8211; ist ein neuer Beruf definiert. Der Gestalter ist kein K\u00fcnstler mehr, aber auch kein Handwerker. Gestaltung ist eine kreative, der Kunst ebenb\u00fcrtige T\u00e4tigkeit &#8211; der Kunst ist eine neue Schwesterdisziplin erwachsen.<\/p>\n<p>Text: Tobias Hoffmann<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-3 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/plhdbnXbGr1uryywt_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"717\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/plhdbnXbGr1uryywt_1280-1024x717.jpg\" alt=\"\" data-id=\"609\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/plhdbnXbGr1uryywt_1280.jpg\" 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Berlin<\/figcaption><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/plhe07CwP01uryywt_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"762\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/plhe07CwP01uryywt_1280-1024x762.jpg\" alt=\"\" data-id=\"613\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/plhe07CwP01uryywt_1280.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2019\/01\/17\/im-fokus-von-arts-and-crafts-zum-bauhaus-kunst-und-design-eine-neue-einheit\/plhe07cwp01uryywt_1280\/\" class=\"wp-image-613\" srcset=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/plhe07CwP01uryywt_1280-1024x762.jpg 1024w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/plhe07CwP01uryywt_1280-300x223.jpg 300w, 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class=\"blocks-gallery-item__caption\">Marcel Breuer\/Thonet, B 25 Armlehnsessel mit verstellbarer R\u00fcckenlehne (\u201eSitzmaschine\u201c). 1928\/1929, Sammlung Gerald Fingerle<\/figcaption><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/plhekzIFfw1uryywt_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/plhekzIFfw1uryywt_1280-683x1024.jpg\" alt=\"\" data-id=\"614\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/plhekzIFfw1uryywt_1280.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2019\/01\/17\/im-fokus-von-arts-and-crafts-zum-bauhaus-kunst-und-design-eine-neue-einheit\/plhekziffw1uryywt_1280\/\" class=\"wp-image-614\" 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