{"id":48,"date":"2018-02-06T10:00:00","date_gmt":"2018-02-06T10:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/decandix-multi.elektrischerwalfisch.de\/decandix-blog\/2018\/02\/06\/diearbeitsteilung-von-gestalter-und-produzent-ist-aufgehoben-prof-barbara-schmidt-kuratorin-der-ausstellung-ceramics-and-its-dimensions-shaping-the-future-im\/"},"modified":"2020-03-24T17:04:05","modified_gmt":"2020-03-24T16:04:05","slug":"diearbeitsteilung-von-gestalter-und-produzent-ist-aufgehoben-prof-barbara-schmidt-kuratorin-der-ausstellung-ceramics-and-its-dimensions-shaping-the-future-im","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2018\/02\/06\/diearbeitsteilung-von-gestalter-und-produzent-ist-aufgehoben-prof-barbara-schmidt-kuratorin-der-ausstellung-ceramics-and-its-dimensions-shaping-the-future-im\/","title":{"rendered":"\u201eDie\nArbeitsteilung von Gestalter und Produzent ist aufgehoben.\u201c\n\nProf.\nBarbara Schmidt, Kuratorin der Ausstellung \u201eCeramics and its Dimensions.\nShaping the Future\u201c im Interview"},"content":{"rendered":"<p>Barbara Schmidt, geboren 1967 in Berlin, studierte Design an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und an der University of Art and Design Helsinki. Seit 1991 arbeitet sie f\u00fcr die KAHLA\/Th\u00fcringen Porzellan GmbH. Ihre Arbeiten wurden mit \u00fcber 40 Designpreisen ausgezeichnet. Seit 2013 ist Barbara Schmidt Professorin f\u00fcr Experimentelles Design an der Wei\u00dfensee Kunsthochschule Berlin.Sie kuratierte die Ausstellung \u201eCeramics and its Dimensions. Shaping the Future\u201c, die noch bis zum 22. April 2018 im Br\u00f6han-Museum zu sehen ist. Wir haben sie zum Gespr\u00e4ch getroffen:<\/p>\n<p><b>Br\u00f6han-Museum<\/b>: Was bedeutet es f\u00fcr Sie, eine Keramik-Designerin zu sein?<\/p>\n<p><b>Barbara Schmidt<\/b>: Eigentlich bin ichProduktdesignerin, spezialisiert auf keramische Materialien. Ich liebe deren \u00e4sthetische Qualit\u00e4ten und denjenigen ihrer vielf\u00e4ltigen Anwendungsbereiche, mit dem ich normalerweise zu tun habe \u2013 das Essen. Wir neigen ja manchmal dazu,das zu vergessen: Nahrungszubereitung und das Essen selbst geh\u00f6ren zu unseren wichtigsten Kulturtechniken.<\/p>\n<p><b>BM<\/b>: Was fasziniert Sie am Material Keramik? Worin liegen Ihrer Meinung nach die Vorteile gegen\u00fcber Materialien wie z.B. Metall oder Holz?<\/p>\n<p><b>BS<\/b>: Keramik, besonders Porzellan, ist wegen der hohen chemischen Stabilit\u00e4t f\u00fcr Lebensmittel besser geeignet als fast alle anderen Materialien. Keramik klingt gut und kann feine, taktil reizvolle Oberfl\u00e4chen haben. Die hohe Zerbrechlichkeit kann dieLebensspanne von Keramikobjekten verk\u00fcrzen, ansonsten sind sie extrem langehaltbar und altern kaum. Holz ist wegen seiner Lebendigkeit sch\u00f6n und es gibt viele gro\u00dfartige Metalle. Nur Kunststoff w\u00fcrde ich nicht an das heranlassen,was ich esse oder trinke.<\/p>\n<p><b>BM<\/b>: K\u00f6nnten Sie uns kurz Ihren Design-Prozess beschreiben? Was passiert zwischen dem ersten Briefing und dem fertigen Produkt?<\/p>\n<p><b>BS<\/b>: Ich lebe mich inThemen ein \u2013 oft betreffen sie ja meinen eigenen Erfahrungsbereich, wie die ver\u00e4nderten Ess- und Ern\u00e4hrungsgewohnheiten. Die Formentwicklung beginnt mit kleinen Skizzen in Notizb\u00fcchern und geht weiter mit ganz klassischem Modellbau in gebrannter Gr\u00f6\u00dfe. Bei komplexen Formen oder Oberfl\u00e4chen kann es auch digitale Schritte geben, aber das Arbeiten an Modellen mit den eigenen H\u00e4nden ist f\u00fcr mich das wichtigste Entwurfswerkzeug. Komplex sind die Zusammenh\u00e4nge zwischen den einzelnen Objekten einer Serie, die formal verwandt sein m\u00fcssen, bei manchmal sehr unterschiedlicher Verwendung \u2013 zum Beispiel als Tasse oder Teller. Die Art der Verwandtschaft zu definieren, ist spannend. Wenn der Entwurf nach mehreren \u00c4nderungsstufen steht, also von einem Team aus Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, Vertrieb undMarketing gut gefunden wird, geht es in die Realisierung der Produktionsmodelle, der sogenannten \u201eOriginale\u201c, die die Modellabteilung herstellt. Bis alle Teile einer Serie fertig sind, also so aus dem Brand kommen, wie sie sein sollen, vergeht normalerweise mindestens ein Jahr, manchmal auch mehr.<\/p>\n<p><b>BM<\/b>: Wie stehen heute industrielle und handwerkliche Keramik-Produktion zueinander?<\/p>\n<p><b>BS<\/b>: Auch in der industriellen Herstellung von \u201eGebrauchskeramik\u201c gibt es heute noch sehr viel manuelle Arbeit \u2013 sogar in Europa. Fr\u00fcher war das Ziel handwerklicher Produktion Perfektion, die identische Reproduktion von Objekten. Arbeitsspuren wurden eher vermieden. Heute dagegen ist individualisierte Herstellung, also die Produktion von \u201eseriellen Unikaten\u201c und das Kultivieren von Abweichungen auch ein Thema f\u00fcr die Industrie. Auf diesem Gebiet wird in n\u00e4chster Zeit sicher noch einiges passieren.<\/p>\n<p><b>BM<\/b>: Die Ausstellung\u201eCeramics and its Dimensions. Shaping the Future\u201c befasst sich mit der Zukunft des Keramik-Designs. Wo genau sehen Sie dessen Zukunft? Worin liegt in diesem Zusammenhang beispielsweise das Potenzial digitaler Techniken wie dem 3D-Druck?<\/p>\n<p><b>BS<\/b>: Obwohl heute, von der \u00d6ffentlichkeit wenig bemerkt, ein sehr hoher Anteil keramischer Produkte im technischen Bereich angesiedelt sind, wird das Thema Keramik zum Essen und Trinken nicht an Aktualit\u00e4t verlieren. Die Auseinandersetzung damit ist auch eins der zentralen Themen der Ausstellung. Weitere sind lokale Materialien \u2013 die R\u00fcckbesinnung auf ihre Nutzung in Zeiten globaler Verf\u00fcgbarkeit von fast allem zu jeder Zeit \u2013 und das Potenzial neuer Technologien, allen voran des keramischen 3D-Drucks. Einen 3D-Drucker f\u00fcr Keramik kann man sich heute f\u00fcr relativ wenig Geld nach open-source-Pl\u00e4nen (die der \u201eVater\u201c des keramischen 3D-Drucks Jonathan Keep ins Netz gestellt hat) selbst zusammenbauen. So bekommen Designer Werkzeuge in die H\u00e4nde, die sie selbst gestalten und mit denen sie Formen und vor allem Oberfl\u00e4chen von nicht gesehener Komplexit\u00e4t herstellen k\u00f6nnen.Diejenigen, die diese Maschinen kontrollieren, sind Handwerker nicht in dem Sinne, dass sie das keramische Material im Arbeitsprozess ber\u00fchren, sondern indem sie ihre Werkzeuge beherrschen. Die Arbeitsteilung von Gestalter und Produzent ist aufgehoben. Es sind aber auch spannende Verbindungen zwischen 3D-Druck und industrieller Produktion vorstellbar. Und wirklich aufregend ist, wie die gedruckten Objekte aussehen \u2013 da wird sicher auch noch viel Spannendes folgen.<\/p>\n<p><b>BM<\/b>: Warum haben Sie sich f\u00fcr das Br\u00f6han-Museum als Spielst\u00e4tte f\u00fcr diese europaweit wanderndeAusstellung entschieden?<\/p>\n<p><b>BS<\/b>: Das Br\u00f6han-Museummit seinem gro\u00dfen Bestand an Keramik aus Jugendstil, Art Deco und Bauhaus\/NeuerSachlichkeit, also aus Phasen, in denen sehr experimentell mit Keramik gearbeitet wurde, ist geradezu pr\u00e4destiniert als Ort f\u00fcr eine Ausstellung, diein die keramische Zukunft blickt. Ich finde es sehr spannend, wie in den letzten Jahren immer wieder aktuelle Themen in Dialog mit den klassischen Sammlungsgebieten des Hauses getreten sind. Ein ganz pers\u00f6nlicher Grund ist, dass es schon immer eins meiner Lieblingsmuseen in Berlin war.<\/p>\n<p><b>BM<\/b>: Vielen Dank f\u00fcr dasGespr\u00e4ch!<\/p>\n<p>Text: Corinna Kleis<\/p>\n<p>Foto:Nina L\u00fcth<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Barbara Schmidt, geboren 1967 in Berlin, studierte Design an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und an der University of Art and Design Helsinki. Seit 1991 arbeitet sie f\u00fcr die KAHLA\/Th\u00fcringen Porzellan GmbH. Ihre Arbeiten wurden mit \u00fcber 40 Designpreisen ausgezeichnet. 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