{"id":42,"date":"2017-11-01T14:09:00","date_gmt":"2017-11-01T14:09:00","guid":{"rendered":"http:\/\/decandix-multi.elektrischerwalfisch.de\/decandix-blog\/2017\/11\/01\/im-fokus-landschaft-und-farbe-bei-walter-leistikow-und-karl-hagemeister\/"},"modified":"2020-03-24T17:08:42","modified_gmt":"2020-03-24T16:08:42","slug":"im-fokus-landschaft-und-farbe-bei-walter-leistikow-und-karl-hagemeister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2017\/11\/01\/im-fokus-landschaft-und-farbe-bei-walter-leistikow-und-karl-hagemeister\/","title":{"rendered":"IM FOKUS \/\/ Landschaft und Farbe bei Walter Leistikow und Karl Hagemeister"},"content":{"rendered":"<p>Die K\u00fcnstler Karl Hagemeister (1843 \u2013 1933) und Walter Leistikow (1865 \u2013 1908) waren in ihrer Malweise ungeheuer fortschrittlich. Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet, lassen sich in ihren Bildern bereits Ankl\u00e4nge an viel j\u00fcngere Kunststr\u00f6mungen des 20. Jahrhunderts finden. Vor allem aber zeigten sie Landschaften auf eine Art, wie es noch einige Jahrzehnte fr\u00fcher undenkbar gewesen w\u00e4re: Sie malten die Natur, wie sie sie sahen, ohne \u00dcberh\u00f6hung, ohne sie zu idealisieren und ohne die Zuhilfenahme von mythologischen Staffagefiguren. Daf\u00fcr verlie\u00dfen sie ihre Ateliers und gingen direkt in die Natur. So wurde pl\u00f6tzlich auch das Unscheinbare, vorher nicht Bildw\u00fcrdige zu ihrem Motiv.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Fr\u00fchwerk beider K\u00fcnstler, dem in derAusstellung ein eigener Raum gewidmet ist, sich noch stark an franz\u00f6sischen Vorbildern wie Gustave Courbet orientiert, finden beide zu einem eigenen markanten, wiedererkennbaren Stil. Hagemeister wird in Werder geboren und beginnt zun\u00e4chst eine klassische K\u00fcnstlerlaufbahn. Er absolviert eine Ausbildung als Maler, reist durch Europa und verbringt einige Zeit bei seinem Freund Carl Schuch in Paris. Wieder nach Brandenburg zur\u00fcckgekehrt, bleibt der Erfolg f\u00fcr den zur\u00fcckgezogen lebenden Maler zun\u00e4chst aus. Er wird Gr\u00fcndungsmitglied der Berliner Sezession, jedoch findet erst 1912 seine erste gro\u00dfe eigene Ausstellung statt. Walter Leistikow wird schon deutlich j\u00fcnger zu einem der gefragtesten Maler Berlins. Aucher geh\u00f6rt zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern der Berliner Secession und ist in ihr eine treibende Kraft. Gut vernetzt und befreundet mit zahlreichen gro\u00dfen K\u00fcnstlern der Zeit, verkaufen sich seine Bilder gut. Trotz des beruflichen Erfolgs macht Leistikow seine Syphiliserkrankung schwer zu schaffen. 1908 nimmt er sich aufgrund seiner immer schwerer werdenden Krankheitsleiden das Leben.<\/p>\n<p>Hagemeister und Leistikow vereint die Lust am Experimentieren mit der Farbe und das Interesse am Ausprobieren neuer Maltechniken. Leistikow nutzt die Farbe zur Emotionalisierung seiner Bilder. Er zeigt vorallem wiedererkennbare Landschaften aus dem Berliner Umland, wie den Grunewaldsee. Neben der Abbildung einer konkreten Szenerie geht es Leistikowvor allem darum, eine bestimmte Atmosph\u00e4re zu transportieren, weshalb diese Bilder oft als <i>Stimmungslandschaften<\/i> bezeichnet werden. Er zeigt beispielsweise ein Waldst\u00fcck, eingetaucht in goldeneAbendsonne und lange Schatten werfend, oder einen Sonnenuntergang \u00fcber demMeer, der den Himmel in einen Teppich aus Gelb und Rot verwandelt. Daf\u00fcr ist er bereit, den Bildausschnitt so zu w\u00e4hlen und die Farben so zu ver\u00e4ndern, dass manche Bilder fast surreal anmuten und schon auf den in Berlin fr\u00fch beginnenden Expressionismus verweisen.<\/p>\n<p>Hagemeister gebraucht Farbe ganz anders als Leistikow. Viel weniger nutzt er die emotionale Wirkung der Farbe, sondern er gebraucht sie vielmehr als Material. Besonders in seinem Sp\u00e4twerk tr\u00e4gt er sie in dicken Schichten direkt mit dem Spachtel auf die Leinwand auf. Detailaufnahmen seiner Bilder \u00e4hneln daher in ihrer \u00c4sthetik den Bildern des abstrakten Expressionismusder 1950er und 1960er Jahre, bei denen das reine Interesse an Farbe und die Ablehnung der Gegenst\u00e4ndlichkeit im Vordergrund standen. So weit, sich von der Gegenst\u00e4ndlichkeit zu l\u00f6sen, geht Hagemeister nicht. Jedoch befreit er dieLandschaft noch viel radikaler als Leistikow von jeder Bedeutungsaufladung, indem er scheinbar triviale Ansichten zum Bildgegenstand macht. Unterholz, Gras und einzelne B\u00e4ume zeigt er auf gro\u00dfen Leinw\u00e4nden, die noch wenige Jahrzehnte vorher Historiengem\u00e4lden oder Gruppenportraits vorbehalten waren. Hagemeister geht es also darum, <i>wie<\/i> etwas dargestelltwird, das <i>was<\/i> ist zweitrangig. Ein solches Abdriften in eine Beinahe-Abstraktion findet sich bei Leistikow nur in seinen Seest\u00fccken. Damit erreicht Hagemeister eine k\u00fcnstlerische Freiheit, wie sie auch innerhalb der Berliner Secession einzigartig ist.<\/p>\n<p>Mehr Informationen im Katalog zur Ausstellung. Die Ausstellung\u00a0\u201cLandschaft zwischen Impressionismus und Expressionismus. Meisterwerke von Hagemeister und Leistikow\u201d ist noch bis zum\u00a028. Januar 2018 im Br\u00f6han-Museum zu sehen.\u00a0<\/p>\n<p>Text: Simon H\u00e4user \/ Tobias Hoffmann<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/oyr3kau3iu1uryywt_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"617\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/oyr3kau3iu1uryywt_1280-1024x617.jpg\" alt=\"\" data-id=\"722\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/oyr3kau3iu1uryywt_1280.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2017\/11\/01\/im-fokus-landschaft-und-farbe-bei-walter-leistikow-und-karl-hagemeister\/oyr3kau3iu1uryywt_1280\/\" class=\"wp-image-722\" 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