{"id":36,"date":"2017-09-10T10:45:00","date_gmt":"2017-09-10T10:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/decandix-multi.elektrischerwalfisch.de\/decandix-blog\/2017\/09\/10\/rene-koch-im-interview\/"},"modified":"2020-03-24T17:17:32","modified_gmt":"2020-03-24T16:17:32","slug":"rene-koch-im-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2017\/09\/10\/rene-koch-im-interview\/","title":{"rendered":"Ren\u00e9 Koch im Interview"},"content":{"rendered":"<p>Einer der Leihgeber der Ausstellung \u201eKuss. Von Rodin bis BobDylan\u201c ist Ren\u00e9 Koch, der in Berlin ein privates Lippenstiftmuseum betreibt. Dort sammelt er unter anderem Lippenstiftabdr\u00fccke prominenter Personen. Der Kuss und der Lippenstift geh\u00f6ren zusammen, bleibt doch vom fl\u00fcchtigen Kuss oft nur die Spur des Lippenstiftabdrucks. Eine genauere Betrachtung des Lippenstifts ist interessant: An der Lippenstiftmode l\u00e4sst sich nicht nur viel \u00fcber Zeitgeschmack ablesen, sondern auch \u00fcber das Geschlechterverh\u00e4ltnis. Warum wurde in den 1920er Jahren derMund von Frauen kleiner geschminkt und in den 1950er Jahren gr\u00f6\u00dfer? Wie wurde der Lippenstift vom verruchten Hilfsmittel von T\u00e4nzerinnen und Prostituierten zum Pflichtaccessoire jeder feinen Dame? Diese und viele weitere Fragen wirdRen\u00e9 Koch am 14. September ab 18 Uhr im Br\u00f6han-Museum beantworten. Wir haben uns mit ihm vorab zum Interview getroffen.<\/p>\n<p><b>Br\u00f6han-Museum:<\/b> Wie fing das an mit Ihrer Kussabdrucksammlung?<\/p>\n<p><b>Ren\u00e9 Koch:<\/b> Der erste Kussabdruck war ein Brief von Hildegard Knef, da fing es eigentlich an. Viele Frauen setzen bei Liebesbriefen einen Kuss auf die Signatur, so war das auch bei Hilde. Sie schrieb mir und am Ende war der Brief mit einem Kuss versehen, wie ein Siegel. Und dann habe ich mir \u00fcberlegt, warum sollen nicht auch andere Prominente, die mir keine Briefe schreiben, ihren Kuss hinterlassen? Ich dachte mir, ich mache das immer dann, wenn ich sie schminke und lasse sie dazu auf der Karte unterschreiben, wie bei einem Fingerabdruck. Ich war immer dabei und habe das Datum mit aufgeschrieben, wann es war. Manchmal k\u00f6nnen die sich selber nicht mehr dran erinnern, dass sie in meiner Sammlung sind.<\/p>\n<p><b>BM:<\/b> Welcher Lippenabdruck fehlt Ihnen denn noch in Ihrer Sammlung?<\/p>\n<p><b>RK: <\/b>Da gibt es noch viele, die ich gerne h\u00e4tte\u2026 Was ich nicht habe, aber vielleicht kriege ich den noch, w\u00e4re die Kanzlerin. Sie geht ja zu Udo Walz und dann m\u00fcsste ich sie mal ansprechen. Aber es ist nat\u00fcrlich auch so\u2026 als ich meine K\u00fcsse gesammelt habe, war es einfach f\u00fcr mich, weil ich die Prominenten geschminkt habe und danach angesprochen habe, k\u00f6nnen wir nicht einen Kussabdruck machen. Jetzt einfach so auf die Leute zugehen, das ist dann wie ein Fan. Mir fehlen noch genug Prominente, so ist es nicht. Manchmal denke ich mir, schade, dass ich nicht fr\u00fcher damit angefangen habe.<\/p>\n<p><b>BM:<\/b> Wann hatten Sie denn die Idee, eine eigene Lippenstiftsammlung anzulegen?<\/p>\n<p><b>RK:<\/b> Das kam daher, dass ich den Volkslippenstift von Hildegard Knef bekommen habe. Knef hat 1952 angefangen, f\u00fcr denVolkslippenstift Werbung zu machen. Als ich sie in den 70ern kennenlernte, war ich bereits Chefvisagist f\u00fcr Yves Saint Laurent. So hat alles angefangen, mit dem Volkslippenstift und der Werbung daf\u00fcr und dann kam immer mehr dazu. Wir haben angefangen im Internet und auf Flohm\u00e4rkten zu suchen, Freunde in aller Welt anzuschreiben und so weiter. Inzwischen bekomme ich von Freunden zum Geburtstag und zu Weihnachten nur noch Lippenstifte geschenkt. Es wird immer erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p><b>BM:<\/b> Wo sehen Sie die Zukunft des Lippenstifts? Wohin geht der Trend?<\/p>\n<p><b>RK:<\/b> Ich glaube, dass der Lippenstift noch variabler wird. Frauen werden nicht nur eine Lippenstiftfarbe zu Hause haben, sondern mehrere. Vielleicht wird auch das Farbspektrum erweitert. Gr\u00fcne oder schwarze Lippenstifte w\u00e4ren denkbar, der Punk hat das schon lange vorgemacht. Ich denke, dass der Lippenstift f\u00fcr den Mann kommen wird. Fu\u00dfballer schrecken ja heute vor Nagellack und Haarfarbe nicht zur\u00fcck. M\u00e4nner schm\u00fccken sich heute wieder mehr, vielleicht wird es dann auch M\u00e4nner geben, die zum Lippenstift greifen.<\/p>\n<p><b>BM: <\/b>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Text: Simon H\u00e4user<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer der Leihgeber der Ausstellung \u201eKuss. Von Rodin bis BobDylan\u201c ist Ren\u00e9 Koch, der in Berlin ein privates Lippenstiftmuseum betreibt. Dort sammelt er unter anderem Lippenstiftabdr\u00fccke prominenter Personen. 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