{"id":27,"date":"2017-07-17T05:52:00","date_gmt":"2017-07-17T05:52:00","guid":{"rendered":"http:\/\/decandix-multi.elektrischerwalfisch.de\/decandix-blog\/2017\/07\/17\/im-fokus-kieser-plakate\/"},"modified":"2020-03-25T12:59:04","modified_gmt":"2020-03-25T11:59:04","slug":"im-fokus-kieser-plakate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2017\/07\/17\/im-fokus-kieser-plakate\/","title":{"rendered":"IM FOKUS \/\/\u00a0Kieser, Plakate."},"content":{"rendered":"<p><i>Noch bis zum 23. Juli 2017 sind die Plakate G\u00fcnther Kiesers im Br\u00f6han-Museum zu sehen. Wer ist der Mann, der heute unter Grafikdesignern als Legende gilt?\u00a0<\/i><\/p>\n<p>Musik geht sprichw\u00f6rtlich ins Ohr. Diese visuell zu transferieren verlangt virtuoses Gesp\u00fcr. Das Visuelle und Akustische in Beziehung zu setzen ist die Passion des bekannten Frankfurter Grafikdesigners G\u00fcnther Kieser (1930). Seine gro\u00dfformatigen Musikplakate sind wahre Eyecatcher und nicht nur in Musikerkreisen bekannt und gefragt. Das Br\u00f6han-Museum zeigt in seiner Blackbox-Reihe ausgew\u00e4hlte Plakate aus den Schaffensjahren 1966 bis 1999. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf G\u00fcnther Kiesers Jazz- und Tourneeplakaten. Mit seinen grafischen Arbeiten stellt Kieser der damaligen Musikwelt eine fulminante Bildwelt gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Louis Armstrong, Count Basie oder Charlie Parker, Weltstars der Jazzmusik, entfachten Kiesers Leidenschaft f\u00fcr die Musik. Von New Orleans, der Wiege der Jazzmusik, str\u00f6mten die neuen Formen und Kl\u00e4nge nach Europa. Das Kriegsende in Deutschland brachte nicht nur gesellschaftliche und soziale, sondern auch h\u00f6rbare Ver\u00e4nderungen mit sich. Pl\u00f6tzlich war Deutschland wieder voller Musik, die lange verboten war. Innerhalb k\u00fcrzester Zeit erlebte der Jazz einen Aufschwung, der die Menschen in Massen begeisterte. Rundfunksender spielten die Lieder auf und ab und Jazzfans trafen sich in den f\u00fcnfziger und sechziger Jahren in Jazzclubs, den sogenannten Hot Clubs, um auf die Befreiungsmusik zu tanzen. Der Free Jazz, eine Bewegung innerhalb dieser Musikrichtung, tr\u00e4gt die Freiheit schon im Namen. Musiker l\u00f6sten sich von Interpretationen und stellten der klassischen Musik ein Modell von Offenheit und Regelfreiheit gegen\u00fcber. Die Befreiung aus der kleinb\u00fcrgerlichen Enge und der spie\u00dfigen Nachkriegsmoral forderte auch im k\u00fcnstlerischen Kontext nach einer neuen, unverbrauchten Bildsprache. Angesteckt von der Euphorie hat G\u00fcnther Kieser die neue Musik von Anfang an in seinen Arbeiten mitbegleitet und bildhaft umgesetzt. Im Auftrag f\u00fcr die Konzertagentur Lippmann+ Rau schuf er legend\u00e4re Musik- und Tourneeplakate. Veranstaltungen wie das Jazzfestival in Frankfurt, die Berliner Jazztage (heute: Jazzfest Berlin), oder das American Folk Blues Festival l\u00f6sten gro\u00dfe Musikbegeisterung aus. Nicht nur f\u00fcr Konzerte,auch f\u00fcr Theater, den Hessischen Rundfunk und andere Kulturveranstaltungen entwarf er Werbebotschaften. Ella Fitzgerald, Duke Ellington, Fleetwood Mac,Grateful Dead und The Doors sind nur einige der zahlreichen Musikgr\u00f6\u00dfen, f\u00fcr die G\u00fcnther Kieser arbeitete. Das mit Abstand bekannteste Plakat ist das Tourneeplakat von Jimi Hendrix. Als Jimi Hendrix 1967 vor den Augen eines ekstatischen Publikums seine Gitarre in Flammen aufgehen lie\u00df, steigerte das nicht nur seine Bekanntheit, sondern auch die seines Instruments. F\u00fcr die Hendrix \u201eExperienceTournee\u201c 1969 entwarf Kieser das Tourneeplakat. Stiltypische Merkmale seinerMusik wie R\u00fcckkopplungen, Frequenz\u00fcberlagerungen und den verzerrten Auswurf seiner Gitarre integriert der Grafikdesigner in seine Bildsprache, indem er dem Gitarristen Kabel und Schalter aus dem Kopf wachsen l\u00e4sst. Die unverwechselbare \u00c4sthetik dieses Plakats zeigt sich in Kiesers besonderer Gestaltungsstruktur. Akustische Kl\u00e4nge und schnelle Rhythmen dechiffriert der Bildsch\u00f6pfer. Seine grafischen Arbeiten faszinieren durch ihre handwerkliche und einmalige Hinwendung zumDetail, die im Austausch mit Malerei und Grafik, Skulptur und Fotografie stehen. Was aus heutiger Sicht unvorstellbar scheint: Kiesers Motive sind alle ohne digitale Hilfsmittel entstanden. Mit Hingabe und Pr\u00e4zision zeichnet, montiert, collagiert oder konstruiert er seine phantastisch anmutenden Bildobjekte, die der Bildsch\u00f6pfer im Spannungsfeld zwischen Kombination, Assoziation und Illusion ansiedelt.<\/p>\n<p>Aus kunstgeschichtlicher Sicht hat das Plakat eine interessante Wendung erfahren. Seit der Jahrhundertwende wird das Plakat als besonderes Kunstwerk angesehen. In den europ\u00e4ischen Zentren, allen voran Paris,wurden die gro\u00dfformatigen und bunten Affichen st\u00fcrmisch als Sensation begr\u00fc\u00dft.Neue Formen der Kultur, der Unterhaltung und des Konsums entstanden und ein breites, vornehmlich st\u00e4dtisches Publikum erhielt die M\u00f6glichkeit, daran teilzuhaben. Der franz\u00f6sische Lithograf und Maler Jules Ch\u00e9ret (1836-1932) hatdie Plakatkunst in bedeutendem Ma\u00dfe gepr\u00e4gt und ihren Aufstieg zu einem neuen Medium der visuellen Kommunikation entscheidend mitbestimmt. Seine Werbeplakate f\u00fcr Vergn\u00fcgungsst\u00e4tten wie Theater und Revuen wurden zum Ausdruck \u00fcberschw\u00e4nglicher Lebensfreude und Heiterkeit. Als \u201eSch\u00f6pfer einer Galerie der Stra\u00dfe\u201c wurden Ch\u00e9rets lithografischen Meisterwerke von Malern wie Henri de Toulouse-Lautrec, Alphonse Mucha oder Georges de Feure von Plakatw\u00e4nden und Litfa\u00dfs\u00e4ulen gerissen und zumgefragten Sammlerst\u00fcck. Kiesers Arbeiten stellen eine Weiterf\u00fchrung dieser Tradition dar, die sich im Laufe der letzten 100 Jahren zu einem eigenst\u00e4ndigen k\u00fcnstlerischen Medium entwickelte.<\/p>\n<p>Die Jazz- und Konzertplakate G\u00fcnther Kiesers setzen bekannte Erinnerungen an Kl\u00e4nge, Rhythmen und Melodien \u00fcber die kraftvolle Wirkung derBilder frei. Wie die Musik selbst ist Kiesers Plakatkunst ausdrucksstark undleidenschaftlich und offenbart den tiefen Blick durchlebter Musikgeschichte.<\/p>\n<p>\u00a0Text:\u00a0Nils Martin M\u00fcller<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-3 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bdrwaZ21uryywt_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"722\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bdrwaZ21uryywt_1280-722x1024.jpg\" alt=\"\" data-id=\"801\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bdrwaZ21uryywt_1280.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2017\/07\/17\/im-fokus-kieser-plakate\/ot8bdrwaz21uryywt_1280\/\" class=\"wp-image-801\" srcset=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bdrwaZ21uryywt_1280-722x1024.jpg 722w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bdrwaZ21uryywt_1280-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bdrwaZ21uryywt_1280-768x1089.jpg 768w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bdrwaZ21uryywt_1280-1083x1536.jpg 1083w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bdrwaZ21uryywt_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 722px) 100vw, 722px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\"> PLAKAT Warum denn nicht Frieden? Auftrag Fritz Rau (1982)\u00a0\u00a9 G\u00fcnther Kieser <\/figcaption><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bic7Wob1uryywt_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bic7Wob1uryywt_1280-730x1024.jpg\" alt=\"\" data-id=\"802\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bic7Wob1uryywt_1280.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2017\/07\/17\/im-fokus-kieser-plakate\/ot8bic7wob1uryywt_1280\/\" class=\"wp-image-802\" srcset=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bic7Wob1uryywt_1280-730x1024.jpg 730w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bic7Wob1uryywt_1280-214x300.jpg 214w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bic7Wob1uryywt_1280-768x1077.jpg 768w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bic7Wob1uryywt_1280-1095x1536.jpg 1095w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bic7Wob1uryywt_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\"> PLAKAT Cecil Taylor Free Jazz, 26. Jazz Festival Frankfurt (1995)\u00a0\u00a9 G\u00fcnther Kieser <\/figcaption><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bm4Rz1M1uryywt_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"726\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bm4Rz1M1uryywt_1280-726x1024.jpg\" alt=\"\" data-id=\"803\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bm4Rz1M1uryywt_1280.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2017\/07\/17\/im-fokus-kieser-plakate\/ot8bm4rz1m1uryywt_1280\/\" class=\"wp-image-803\" srcset=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bm4Rz1M1uryywt_1280-726x1024.jpg 726w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bm4Rz1M1uryywt_1280-213x300.jpg 213w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bm4Rz1M1uryywt_1280-768x1083.jpg 768w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bm4Rz1M1uryywt_1280-1089x1536.jpg 1089w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ot8bm4Rz1M1uryywt_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 726px) 100vw, 726px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\"> PLAKAT Jazz Festival Frankfurt (1994),\u00a0\u00a9 G\u00fcnther Kieser <\/figcaption><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch bis zum 23. 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