{"id":25,"date":"2017-07-03T14:59:00","date_gmt":"2017-07-03T14:59:00","guid":{"rendered":"http:\/\/decandix-multi.elektrischerwalfisch.de\/decandix-blog\/2017\/07\/03\/nezaket-ekici-im-interview\/"},"modified":"2020-03-25T13:17:10","modified_gmt":"2020-03-25T12:17:10","slug":"nezaket-ekici-im-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2017\/07\/03\/nezaket-ekici-im-interview\/","title":{"rendered":"Nezaket Ekici im Interview"},"content":{"rendered":"<p>In ihrer Installationsperformance \u201eEmotion in Motion\u201c bek\u00fcsst die K\u00fcnstlerin Nezaket Ekici (*1970) in einer viert\u00e4gigen Tour de Force einen ganzenRaum innerhalb der Ausstellung \u201eKuss. Von Rodin bis Bob Dylan\u201c. S\u00e4mtliche Oberfl\u00e4chen, die W\u00e4nde, die M\u00f6bel und selbst der Fu\u00dfboden werden mit Lippenstiftabdr\u00fccken \u00fcbers\u00e4ht, bis ein ornamental anmutendes dreidimensionales Kuss-Bild entsteht. Dabei geht die K\u00fcnstlerin auch k\u00f6rperlich an ihre Grenzen: Das stundenlange K\u00fcssen wird zum Kraftakt und zur Reflexion \u00fcber das Gl\u00fcck und die Schmerzen der Liebe.<\/p>\n<p>Die Performance findet vom 4. bis zum 6. Juli 2017 w\u00e4hrend der regul\u00e4ren \u00d6ffnungszeiten der Ausstellung statt. Am 6. Juli 2017, dem Internationalen Tag des Kusses, vollendet Nezaket Ekici von 18-20 Uhr ihre Performanceinstallation. Bei dem Abschlussevent mit k\u00fchlen Getr\u00e4nken im Museumsgarten k\u00f6nnen Besucher mit der K\u00fcnstlerin ins Gespr\u00e4ch kommen. DieAusstellung ist w\u00e4hrenddessen ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Nezaket Ekici wurde 1970 in Kirsehir\/T\u00fcrkei geboren. Sie studierte Bildhauerei und Performancekunst und ist Meistersch\u00fclerin der renommierten Performancek\u00fcnstlerin Marina Abramovi\u0107. 2016\/2017 war Nezaket Ekici Stipendiatin der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom.<\/p>\n<p>Im Interview erz\u00e4hlt die K\u00fcnstlerin von ihrer Arbeit.\u00a0<\/p>\n<p><i>Br\u00f6han-Museum: Du hast die Performance schon einige Male aufgef\u00fchrt. Was waren die Urspr\u00fcnge von \u201eEmotion in Motion\u201c? <\/i><\/p>\n<p>Nezaket Ekici: Das erste Mal habe ich die Performance in M\u00fcnchen in der Galerie <i>Unartig<\/i> aufgef\u00fchrt. Ich habe im Studium bereits erste Versuche zu dem Thema gemacht, die Arbeit hat sich entwickelt. Beispielsweise habe ich zu Beginn die Wand mit Vaseline eingeschmiert und bek\u00fcsst. Sehr schnell hat der Lippenstift auf der Wand beim Bek\u00fcssen wieder auf meinen K\u00f6rper abgef\u00e4rbt. So, wie ich dem Raum einen Kuss gab, gab mir der Raum den Kuss zur\u00fcck. Au\u00dferdem waren meine R\u00e4ume zun\u00e4chst relativ bunt eingerichtet, was ich nach und nach reduziert habe. In wei\u00dfen R\u00e4umen kommen die K\u00fcsse besser zur Geltung. Es war immer mein Anspruch, meinen privaten Raum zu schaffen und zu bek\u00fcssen und den Dingen eine Wertsch\u00e4tzung zugeben.<\/p>\n<p><i>BM: Du hast die Performance in vollkommen verschiedenen R\u00e4umen und Situationen aufgef\u00fchrt: In Museen, Galerien, auf Festivals. Ist es dir immer gelungen, die R\u00e4ume f\u00fcr dich zu erobern, oder ist dieser Anspruch auch stellenweise gescheitert? <\/i><\/p>\n<p>NE: Manchmal ist es sehr schwer. In Bern habe ich die Performance in einer Eingangshalle der Universit\u00e4t aufgef\u00fchrt. Dort habe ich versucht, mir meine eigene vier W\u00e4nde in einem \u00fcberdimensionierten Raum zu erobern. Trotzdem hat es funktioniert. Mein Agieren und diese tausendfachen K\u00fcsse, das wirkt einfach. \u00a0<\/p>\n<p><i>BM: Also entwickelst du jedes Mal eine Beziehung zu dem Raum, den du bek\u00fcsst? <\/i><\/p>\n<p>NE: Ja, ich verbringe ja sehr viel Zeit in den R\u00e4umen und manchmal lebe ich sogar darin. Ich mische vorgefundene Gegenst\u00e4nde mit eigenen Objekten. Manche Objekte behalte ich und verwende sie wieder.<\/p>\n<p><i>BM: Gibt es Gegenst\u00e4nde, die in jeder Performance mit dabei sind? <\/i><\/p>\n<p>NE: Nein, obwohl einzelne Gegenst\u00e4nde, meist Bilder, schon \u00f6fter dabei waren.<\/p>\n<p><i>BM: Woher kommt das M\u00e4dchenhafte, das deine R\u00e4ume ausstrahlen?<\/i><\/p>\n<p>NE: Ich hatte nie ein eigenes Kinderzimmer. Sogar das Bett habe ich mit meiner Schwester geteilt. Ich komme aus einer Gastarbeiterfamilie mit wenig Geld. Unsere Mutter passte auf uns Kinder auf, wir hatten ein Kinderzimmer, das wir uns zu dritt teilen mussten. Einen eigenen Raum hatte ich erst sehr sp\u00e4t. Vielleicht spielt das tats\u00e4chlich eine gro\u00dfe Rolle in meinerArbeit, dass ein eigenes Zimmer immer mein Kindheitstraum war. Eigentlich geht es mir aber um die Gegenst\u00e4nde. Was sind das f\u00fcr Objekte? Wie sind sie entstanden, wer hat sie gebaut? Wer steckt dahinter? Uns erscheinen sie so allt\u00e4glich, aber die Arbeit, die dahintersteckt, wird nicht gesehen. Diese Menschen sch\u00e4tze ich wert mit meinem Kuss.<\/p>\n<p>Interview: Simon H\u00e4user<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/osj1qhvJX11uryywt_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"681\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/osj1qhvJX11uryywt_1280-1024x681.jpg\" alt=\"\" data-id=\"809\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/osj1qhvJX11uryywt_1280.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2017\/07\/03\/nezaket-ekici-im-interview\/osj1qhvjx11uryywt_1280\/\" class=\"wp-image-809\" 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