{"id":1645,"date":"2023-01-13T16:25:49","date_gmt":"2023-01-13T15:25:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/?p=1645"},"modified":"2023-01-13T16:25:49","modified_gmt":"2023-01-13T15:25:49","slug":"im-fokus-muster-und-moderne-kunst-der-20er-jahre-aus-der-sammlung-zuschlag-wieneke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2023\/01\/13\/im-fokus-muster-und-moderne-kunst-der-20er-jahre-aus-der-sammlung-zuschlag-wieneke\/","title":{"rendered":"IM FOKUS \/\/ Muster und Moderne. Kunst der 20er Jahre aus der Sammlung Zuschlag-Wieneke"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eUns kam es immer darauf an, dass man in der Sammlung eine Einheit sieht\u201c, sagen Fritz Zuschlag und Bodo Wieneke-Zuschlag, wenn man sie nach ihrer Sammlungsvision befragt. Ausgehend von K\u00f6ln, dem Lebensmittelpunkt des Paares, sp\u00e4ter auch von Berlin, ihrem Zweitwohnsitz, haben die beiden in 50 Jahren eine einzigartige Kollektion von Kunst und Design der 1920er Jahre zusammengetragen. Leidenschaft und Sachverstand zeigen sich in der Auswahl der Objekte: Eine Einheit ist die Sammlung geworden, doch eine \u00e4u\u00dferst vielf\u00e4ltige \u2013 so vielf\u00e4ltig wie die Epoche, der sie gewidmet ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abstraktion und Figuration, Bild und Muster sind zentrale Themen. Den Grundstock bildet ein umfangreiches Konvolut von Keramik der Weimarer Republik, die in den 1920er und fr\u00fchen -30er Jahren mit \u00fcberraschend avantgardistischen Formen und Dekoren aufwartete. Teller der Marwitzer Ha\u00ebl-Werkst\u00e4tten, Tortenplatten von Theodor Paetsch, Vasen und Dosen aus Schramberg, Gr\u00fcnstadt, Elsterwerda und anderen Zentren der Keramikindustrie sind von der bildenden Kunst ihrer Zeit inspiriert. Vor allem die seinerzeit popul\u00e4ren geometrischen Spritzdekore zeigen deutlich den Einfluss des Konstruktivismus, der zu Beginn der 1920er Jahre von Russland aus ganz Europa erfasste und auch im Design seine Spuren hinterlie\u00df. Ein Tellersatz mit \u201esuprematistischem\u201c Dekor wird dem russischen Konstruktivisten El Lissitzky zugeschrieben, der von 1921 bis 1925 in Deutschland lebte. Er befindet sich in der Sammlung Zuschlag-Wieneke, ebenso wie Werke der Keramikerinnen Eva Stricker-Zeisel und Margarete Heymann-Loebenstein sowie zahlreicher weiterer, namhafter und heute unbekannter Gestalter*innen der 20er Jahre. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu einem Zentrum des Konstruktivismus in Deutschland wurde das Bauhaus mit Protagonisten wie Lothar Schreyer, L\u00e1szl\u00f3 Moholy-Nagy, Karl Peter R\u00f6hl und Franz Ehrlich. Seit der Jahrtausendwende verlagerte sich die Aufmerksamkeit von Fritz Zuschlag und Bodo Wieneke-Zuschlag von der Keramik auf die bildende Kunst, die stilistische Ausrichtung blieb jedoch bestehen. Neben den genannten und vielen weiteren K\u00fcnstler*innen des Bauhauses wurden bedeutende deutsche Konstruktivist*innen wie Willi Baumeister, Erich Buchholz und Ella Bergmann-Michel Teil der Sammlung. Ein besonderes Interesse hegt Fritz Zuschlag, ein Neffe der Bauhaus-Weberin Elisabeth Kadow, f\u00fcr textile Gestaltungen und so finden sich neben deren Arbeiten auch Entw\u00fcrfe von Ida Kerkovius und dem heute kaum noch bekannten Bauhaus-Textilgestalter Felix Kube.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Parallel zu ihrer Besch\u00e4ftigung mit Konstruktivismus und abstrakter Kunst erwarben die Sammler stets auch f\u00fcr figurative Gem\u00e4lde und Skulpturen der 1920er Jahre. Zur Sammlung geh\u00f6ren Bronzen von Milly Steger und Richard Scheibe sowie Gem\u00e4lde der Neuen Sachlichkeit, etwa von Christian Arnold und Kurt G\u00fcnther. Das Bild des Menschen in Portr\u00e4ts und Akten ist ein wiederkehrendes Thema, von der Geometrisierung und kubistischen Zergliederung des K\u00f6rpers bis hin zum realistischen Portr\u00e4t. Das ganze Spektrum dieser Ausdrucksformen findet sich in der Kunst der K\u00f6lner Progressiven, einer avantgardistischen K\u00fcnstlervereinigung, die sich nach dem Ersten Weltkrieg in K\u00f6ln formierte. Die \u201eGruppe Progressiver K\u00fcnstler\u201c, so der offizielle Name, verband konstruktive und figurative Tendenzen mit einer starken politischen Agenda. Stilisierte, oftmals gesichtslose Figuren verweisen auf die Anonymit\u00e4t und Fremdbestimmtheit des modernen Menschen und bedienen als humanoide Roboter zugleich die \u00e4sthetische Faszination f\u00fcr alles Technische. Zur Sammlung Zuschlag-Wieneke geh\u00f6ren zentrale Vertreter*innen der gro\u00dfen und k\u00fcnstlerisch heterogenen Gruppierung wie Franz Wilhelm Seiwert, Gottfried Brockmann, Heinrich Hoerle, Marta Hegemann und Anton R\u00e4derscheidt, aber auch interessante Randfiguren wie der Maler Ludwig Egidius Ronig, dessen Werk dem Magischen Realismus zugerechnet wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den K\u00f6lner Progressiven, in Berlin bislang selten gezeigt, ist in der Ausstellung ein eigener Raum gewidmet. Weitere Ausstellungsbereiche befassen sich mit der Kunst des Bauhauses sowie ausgew\u00e4hlten figurativen Positionen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Gegen\u00fcberstellung der konstruktivistischen Keramiken mit Kunstwerken des Konstruktivismus. Im direkten Vergleich zeigt sich, mit welchem Einfallsreichtum Keramikdesigner*innen der 20er Jahre die Farben, Formen und Kompositionsprinzipien der bildenden Kunst in ihr eigenes Medium \u00fcbersetzten. Dank niedriger St\u00fcckpreise erreichten gerade die modernen Spritzdekor-Keramiken eine ungeheuer weite Verbreitung. Sie leisteten einen Beitrag zur Popularisierung der abstrakten Moderne, indem sie den Konsument*innen Farb- und Formgebungen der Avantgardekunst buchst\u00e4blich auf der heimischen Kaffeetafel servierten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist eine besondere Qualit\u00e4t der Sammlung Fritz Zuschlag, Bodo Wieneke-Zuschlag, dass sie bildende und angewandte Kunst als gleichwertige Ph\u00e4nomene betrachtet und einander in erhellenden Kombinationen gegen\u00fcberzustellen vermag. Gerade in Deutschland, wo anders als in der angels\u00e4chsischen Kunst- und Museumslandschaft die Bereiche meist noch scharf getrennt werden und vielfach \u00fcberkommene Gattungshierarchien nachwirken, ist eine solche Ausrichtung selten. Dabei k\u00f6nnen sich gerade in der Zusammenschau von Kunst und Design neue Beobachtungen und Erkenntnisse einstellen, die der Erforschung beider Bereiche zugutekommen. Das Br\u00f6han-Museum verfolgt diesen interdisziplin\u00e4ren Ansatz seit vielen Jahren und ist sehr gl\u00fccklich dar\u00fcber, dass Fritz Zuschlag und Bodo Wieneke-Zuschlag es zum Adressaten einer gro\u00dfz\u00fcgigen Schenkung gemacht haben. Die Ausstellung bietet nun erstmals einen Einblick in das umfangreiche und hochinteressante Konvolut, das langfristig in den Besitz des Museums \u00fcbergehen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Text: Anna Grosskopf<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"780\" height=\"1024\" data-id=\"1651\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Heinrich-Hoerle_Ohne-Titel_Weiblicher-Halbakt_1930-1-780x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1651\" srcset=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Heinrich-Hoerle_Ohne-Titel_Weiblicher-Halbakt_1930-1-780x1024.jpg 780w, 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