{"id":16,"date":"2017-05-11T11:43:00","date_gmt":"2017-05-11T11:43:00","guid":{"rendered":"http:\/\/decandix-multi.elektrischerwalfisch.de\/decandix-blog\/2017\/05\/11\/im-fokus-jan-toorop-glaube-und-arbeit-1902\/"},"modified":"2020-03-25T15:30:56","modified_gmt":"2020-03-25T14:30:56","slug":"im-fokus-jan-toorop-glaube-und-arbeit-1902","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2017\/05\/11\/im-fokus-jan-toorop-glaube-und-arbeit-1902\/","title":{"rendered":"IM FOKUS \/\/ Jan Toorop\u00a0\u201cGlaube und Arbeit\u201d (1902)"},"content":{"rendered":"<p>Beim Blick durch die \u201eGesang der Zeiten\u201c-Ausstellung im Br\u00f6han-Museum f\u00e4llt auf, wie vielf\u00e4ltig Jan Toorops Werk ist. Diese Vielfaltist aber eher eine Vielfalt der Stile und der Gattungen, als der Sujets. Einige wenige Themen wiederholen sich in Toorops Arbeiten immer wieder, so dass es scheint, als sei er fast besessen von ihnen. Gleich zwei dieser wiederkehrenden Sujets zeigt er in dieser Zeichnung: Glaube und Arbeit, bzw., wenn man der \u00dcbersetzung des Originaltitels folgt, \u201cGlaube und Lohn\u201d. Auch stilistisch ist das Werk jedoch besonders. Es markiert einen Stilwechsel im zeichnerischen Werk Toorops. Anstelle der zarten, sanft geschwungenen Linien des symbolistischen Fr\u00fchwerksverwendet er nun einen naturalistischen, kr\u00e4ftigen Zeichenstil mit ausgepr\u00e4gten Konturen und starken hell-dunkel Kontrasten.<\/p>\n<p>Zu sehen sind f\u00fcnf Personen, wobei zwischen vier naturalistischen Figuren im Vordergrund und einer symbolistischen Figur im Hintergrund zu unterscheiden ist. Die Figuren sind Fischer, sie wirken robust und b\u00e4uerlich. Auch hier zeigt sich ein Wandel weg von den eleganten, manieristisch \u00fcberzeichneten Figuren, die Toorop in seiner symbolistischen Phase zeigte. F\u00fcr die Frau des Fischers stand Toorops damalige Haush\u00e4lterin Jaantje Modell, dem Fischer selbst verlieh er seine eigenen Z\u00fcge. Auff\u00e4llig ist die klassische,strenge Komposition des Bildes: Es ist ein Brustst\u00fcck, die Frau ist im Dreiviertelportr\u00e4t gezeigt, der Mann in Frontalansicht. Die Szene ist eingebunden in ein Interieur, im rechten Bildhintergrund \u00f6ffnet sich der Blick in einen Au\u00dfenraum, wie es auch in unz\u00e4hligen anderen Portr\u00e4tdarstellungen seit der Renaissance der Fall ist. Auch die Malweise ist streng. Dicke schwarze Konturlinien fassen die Figuren ein. Der verwendete Kohlestift l\u00e4sst die Figuren grau und hart wirken, tiefe Falten ziehen sich durch ihre Gesichter, ihre eisblauen Augen zeichnen sich gegen den fahlen Hautton ab. Einzig die Au\u00dfenwelt, der Strand und dasMeer, wirken freundlicher und heller.<\/p>\n<p>Toorop selbst erkl\u00e4rte das Werk so: \u201eDer \u00fcber seinen Lohn unzufriedene Fischer f\u00fchlt den Glauben in sich zerrei\u00dfen (siehe das Glas vorder Christusdarstellung an der Wand). Die junge Frau, mit anderen W\u00fcnschen, steht bei ihm, die alte Frau beiseite.\u201c Die durch das Fenster sichtbare st\u00fcrmische See spiegelt die innere Aufruhr wider. Der materielle Aspekt des Lohns, der im Titel angedeutet ist, zeigt sich \u2013 neben den Geldm\u00fcnzen in derHand des Fischers \u2013 auch in den Goldpl\u00e4ttchen an der Haube des jungen M\u00e4dchens. Diese wurden traditionell von unverheirateten Frauen getragen, sie symbolisierten die Mitgift. Das Werk wurde zu seiner Entstehungszeit in einem von Toorop entworfenen Originalrahmen gezeigt, der mit Darstellungen von Schiffen und Pflanzen auf das ikonografische Programm des Bildes Bezug nahm.<\/p>\n<p>Bilder mit der Biografie des K\u00fcnstlers zu deuten ist fast immer zu kurz gegriffen und tr\u00e4gt einen alten K\u00fcnstlermythos weiter. Tats\u00e4chlich f\u00e4llt es bei Toorop besonders schwer, sein Leben nicht auf seine ungew\u00f6hnlichenBilder zu beziehen. Die monumentale Zeichnung entstand im Zeitraum zwischen Oktober 1901 und Januar 1902 in Katwijk aan Zee. Toorop selbst betrachtete Glaube und Arbeit als Spiegel seiner pers\u00f6nlichen Situation: \u201eEine gro\u00dfeZeichnung, in die ich mein jetziges F\u00fchlen und Leben gegossen habe.\u201c Dieses Leben war in der Entstehungszeit der Zeichnung kein angenehmes. Toorop littseit den fr\u00fchen 1880er Jahren unter einer Syphilisinfektion, die ihm k\u00f6rperlich schwer zusetzte. Zudem war die Beziehung mit seiner Frau, Annie, vergiftet. Toorop hatte verschiedene au\u00dfereheliche Beziehungen. Die anglikanisch erzogeneAnnie wandte sich immer mehr dem r\u00f6misch-katholischen Glauben zu, was zu Konflikten mit dem \u201ebohemienhaften\u201c Lebensstil ihres Mannes f\u00fchrte. Sie ging immer mehr auf Distanz und zog schlie\u00dflich mit der gemeinsamen Tochter nachParis. 1902 lie\u00df sie sich katholisch taufen, was Toorop als Vertrauensbruch empfand. Er teilte ihr daraufhin mit, dass er sich scheiden lassen wolle. Annie lehnte eine endg\u00fcltige Scheidung aufgrund ihres Glaubens ab. 1905 konvertierte Toorop schlie\u00dflich zum Katholizismus. Ob er mit diesem Schritt seine Ehe retten, oder an lukrative Auftr\u00e4ge der katholischen Kirche gelangen wollte, ist unklar.\u00a0<\/p>\n<p>Text: Simon H\u00e4user; Inga Remmers<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-1 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/opsp5cox2j1uryywt_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"947\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/opsp5cox2j1uryywt_1280-947x1024.jpg\" alt=\"\" data-id=\"854\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/opsp5cox2j1uryywt_1280.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2017\/05\/11\/im-fokus-jan-toorop-glaube-und-arbeit-1902\/opsp5cox2j1uryywt_1280\/\" class=\"wp-image-854\" srcset=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/opsp5cox2j1uryywt_1280-947x1024.jpg 947w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/opsp5cox2j1uryywt_1280-277x300.jpg 277w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/opsp5cox2j1uryywt_1280-768x830.jpg 768w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/opsp5cox2j1uryywt_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 947px) 100vw, 947px\" \/><\/a><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Blick durch die \u201eGesang der Zeiten\u201c-Ausstellung im Br\u00f6han-Museum f\u00e4llt auf, wie vielf\u00e4ltig Jan Toorops Werk ist. 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