{"id":1359,"date":"2022-01-27T13:50:09","date_gmt":"2022-01-27T12:50:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/?p=1359"},"modified":"2022-08-01T13:20:07","modified_gmt":"2022-08-01T11:20:07","slug":"schaetze-aus-der-sammlung-franz-hagenauer-spiegel-mit-frauenkopf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2022\/01\/27\/schaetze-aus-der-sammlung-franz-hagenauer-spiegel-mit-frauenkopf\/","title":{"rendered":"Sch\u00e4tze aus der Sammlung \/\/ Franz Hagenauer: Spiegel mit Frauenkopf"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1898 wurde in Wien vom Ziselier- und G\u00fcrtlermeister Carl Hagenauer (1872\u20131928) eine Metallwerkst\u00e4tte gegr\u00fcndet: Die Werkst\u00e4tte Hagenauer. In Wien befand sich um die Jahrhundertwende das Zentrum der florierenden \u00f6sterreichischen Metallkunstindustrie. Zwar war die Werkst\u00e4tte Hagenauer nur eine von vielen kunsthandwerklichen Betrieben dort, doch durch ihren charakteristischen Stil entstanden einige Arbeiten, die aus der Menge hervorstachen. Ein paar dieser Werke befinden sich heute auch in der Sammlung des Br\u00f6han-Museums, unter anderem der Spiegel mit Frauenkopf, den Franz Hagenauer um 1925 entwarf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Carl Hagenauer engagierte sich bereits fr\u00fch f\u00fcr die zeitgen\u00f6ssische und moderne Kunst, und auch der Jugendstil war bei ihm von Beginn an vertreten. Besonders seine S\u00f6hne entwickelten dann den eigent\u00fcmlichen, unverwechselbaren Hagenauer-Stil. Die Br\u00fcder Karl (1898\u20131956) und Franz (1906\u20131986) waren beide im Unternehmen t\u00e4tig und \u00fcbernahmen den Betrieb nach dem Tod des Vaters vollst\u00e4ndig. Gemeinsam mit Julius Jirasek (1896\u20131965), der 1930 in die Werkst\u00e4tte Hagenauer eintrat, wurde Karl zun\u00e4chst vom Architekten und Designer Josef Hoffmann (1870\u20131956) und den Wiener Werkst\u00e4tten gepr\u00e4gt. Sie lehnten radikal den Jugendstil ab und wurden zu Vorreitern der neuen Sachlichkeit. Auf der Suche nach einer neuen Formensprache schloss sich auch Franz Hagenauer an. Er wurde in Bildhauerei bei Anton Hanak (1875\u20131934) ausgebildet, und wurde zudem deutlich von seinen Auslandsaufenthalten in Paris, Berlin und Rom gepr\u00e4gt, wo er den Bauhausstil und Art Deco kennenlernte. Franz Hagenauer folgte dem Zeitgeist des Postexpressionismus, sein Stil wurde abstrakter und hob sich durch Schlichtheit und die Reduktion auf klare Formen ab. Der Spiegel mit Frauenkopf ist daf\u00fcr ein hervorragendes Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Spiegel besteht aus einem rechteckigen Rahmen, der eine Spiegelglasplatte tr\u00e4gt, einer Grundplatte, und fig\u00fcrlich gestalteten Elementen aus poliertem Messing. An den schlichten Rahmen sind rechts zwei senkrechte Streben angef\u00fcgt, die ihn auf der Grundplatte verankern und den streng geometrischen Eindruck des Rahmens noch unterst\u00fctzen. Dieser Eindruck wird von den stilisierten Gliedern der Frauenfigur kontrastiert. Aus Sicht der BetrachterInnen st\u00fctzt sie rechts vom Spiegel ihren Unterarm auf und hat die Hand oben in entspannter Haltung abgelegt. Auf der Hand liegt der l\u00e4ngliche Kopf auf, dessen spitzes Kinn \u00fcber der oberen, rechten Ecke liegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Figur zeigt eine f\u00fcr Hagenauer typische abstrahierte Darstellung einer Frau. Ihr Gesicht bildet sich durch wenige reduzierte Elemente heraus, die aus einfachen Linien bestehen. Trotz dieser reduzierten Formensprache l\u00e4sst sich die Figur deutlich als weiblich identifizieren. Dazu ben\u00f6tigt es nur wenige Details, wie die gespitzt wirkenden roten Lippen, eine schmale lange Nase und gro\u00dfe ovale Augen mit feinen geschwungenen Augenbrauen. Auch die Finger sind lang und schmal und wirken elegant. Es handelt sich hierbei um eine typisierte Darstellung, die klassisch weiblich konnotierte Merkmale verwendet. Die geschlechtliche Zuordnung der Figur deutet schon auf den Verwendungszweck und die Zielgruppe des Objektes hin, denn es handelt sich bei diesem Spiegel um einen Schmink oder Frisierspiegel, der vornehmlich f\u00fcr Frauen gestaltet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Hagenauer-Spiegel hat die perfekte Gr\u00f6\u00dfe, um auf einer Kommode oder einem Tisch platziert zu werden, um sich von Nahem zu betrachten und das eigene \u00c4u\u00dfere zu perfektionieren. Er l\u00e4dt dazu ein, lange Zeit mit dieser Selbstbetrachtung zu verbringen und regt die BetrachterInnen an, einen gewissen Aufwand zur Erhaltung des Scheins zu betreiben. So unterst\u00fctzt der Spiegel auch die Eitelkeit der Menschen. Dabei ist das Thema der Eitelkeit nat\u00fcrlich nicht nur Frauen vorbehalten. Der Spiegel stellt dem unperfekten echten Gesicht der BetrachterInnen die goldene Maske der Frau gegen\u00fcber. W\u00e4hrend das Abbild der Menschen fl\u00fcchtig ist, bleibt die dekorative Figur des Spiegels stets gleich und f\u00fchrt den BetrachterInnen die eigene Verg\u00e4nglichkeit vor Augen. Ein Spiegel dient als Mittel zur Selbstwahrnehmung und f\u00fchrt zur Begegnung mit sich selbst. Beim Hagenauer-Spiegel handelt es sich au\u00dferdem um eine Mischung aus angewandter und freier Kunst, dessen Besonderheit darin besteht, die BetrachterInnen durch die Spiegelfl\u00e4che zum Teil des Objektes werden zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Text: Nina Colantonio<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery aligncenter columns-2 wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blogbeitrag_Nina-Colantonio_Hagenauer-Frauenkopf_Bild-1-787x1024.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"787\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blogbeitrag_Nina-Colantonio_Hagenauer-Frauenkopf_Bild-1-787x1024.jpg\" alt=\"\" data-id=\"1360\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/?attachment_id=1360\" class=\"wp-image-1360\" srcset=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blogbeitrag_Nina-Colantonio_Hagenauer-Frauenkopf_Bild-1-787x1024.jpg 787w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blogbeitrag_Nina-Colantonio_Hagenauer-Frauenkopf_Bild-1-231x300.jpg 231w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blogbeitrag_Nina-Colantonio_Hagenauer-Frauenkopf_Bild-1-768x999.jpg 768w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blogbeitrag_Nina-Colantonio_Hagenauer-Frauenkopf_Bild-1-1181x1536.jpg 1181w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blogbeitrag_Nina-Colantonio_Hagenauer-Frauenkopf_Bild-1.jpg 1230w\" sizes=\"auto, (max-width: 787px) 100vw, 787px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Franz Hagenauer, Werkst\u00e4tte Hagenauer, Wien, Spiegel mit Frauenkopf, 1925-1939, Br\u00f6han-Museum<\/figcaption><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blogbeitrag_Nina-Colantonio_Hagenauer-Frauenkopf_Bild-2.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blogbeitrag_Nina-Colantonio_Hagenauer-Frauenkopf_Bild-2-1024x768.jpeg\" alt=\"\" data-id=\"1367\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blogbeitrag_Nina-Colantonio_Hagenauer-Frauenkopf_Bild-2.jpeg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/?attachment_id=1367\" class=\"wp-image-1367\" srcset=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blogbeitrag_Nina-Colantonio_Hagenauer-Frauenkopf_Bild-2-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blogbeitrag_Nina-Colantonio_Hagenauer-Frauenkopf_Bild-2-300x225.jpeg 300w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blogbeitrag_Nina-Colantonio_Hagenauer-Frauenkopf_Bild-2-768x576.jpeg 768w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blogbeitrag_Nina-Colantonio_Hagenauer-Frauenkopf_Bild-2-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Blogbeitrag_Nina-Colantonio_Hagenauer-Frauenkopf_Bild-2.jpeg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Schaudepot Design im Br\u00f6han-Museum, Ausstellungsansicht, 27.01.2022<\/figcaption><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1898 wurde in Wien vom Ziselier- und G\u00fcrtlermeister Carl Hagenauer (1872\u20131928) eine Metallwerkst\u00e4tte gegr\u00fcndet: Die Werkst\u00e4tte Hagenauer. 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