{"id":1152,"date":"2021-03-05T11:01:01","date_gmt":"2021-03-05T10:01:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/?p=1152"},"modified":"2022-08-01T13:31:22","modified_gmt":"2022-08-01T11:31:22","slug":"der-ganze-bestand-muss-unter-die-lupe-dr-sabine-meister-sammlungskuratorin-am-broehan-museum-im-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2021\/03\/05\/der-ganze-bestand-muss-unter-die-lupe-dr-sabine-meister-sammlungskuratorin-am-broehan-museum-im-interview\/","title":{"rendered":"\u201eDer ganze Bestand muss unter die Lupe!\u201c Sammlungskuratorin Dr. Sabine Meister im Interview"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Br\u00f6han-Museum<\/strong>: Frau Dr. Meister, seit Anfang dieses Jahres sind Sie im Br\u00f6han-Museum als Sammlungskuratorin t\u00e4tig. Das hei\u00dft, Sie betreuen die Sammlung des Hauses mit dem Schwerpunkt Provenienzforschung. Worauf bezieht sich dieser Begriff, \u201eProvenienzforschung\u201c?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sabine Meister<\/strong>: Das Wort Provenienz kommt aus dem Lateinischen: \u201eprovenire\u201c hei\u00dft \u201eherkommen\u201c oder \u201eabstammen\u201c. Es wird also die Geschichte eines Objekts nach seiner Fertigstellung untersucht. Uns interessiert, wo sich das Objekt seit seiner Entstehung befunden hat, wer es gekauft hat, in welchen Sammlungen es war \u2013 und zwar von seiner Entstehung im Atelier der K\u00fcnstlerin oder des K\u00fcnstlers bis heute. Der Fachbegriff \u201eProvenienzforschung\u201c hat sich in den letzten 20 Jahren etabliert. Der Hintergrund ist die politische Aufarbeitung der Folgen des Nationalsozialismus. Heute befinden sich immer noch viele Kulturg\u00fcter in \u00f6ffentlichen Sammlungen, die w\u00e4hrend der NS-Zeit Menschen unrechtm\u00e4\u00dfig entzogen worden waren. Das betraf Menschen, die wegen ihrer ethnischen Herkunft, ihrer politischen Haltung oder wegen ihrer Religion verfolgt wurden, insbesondere Menschen j\u00fcdischen Glaubens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgangspunkt dieser Neubetrachtung der Besitzanspr\u00fcche ist die sogenannte <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.kulturgutverluste.de\/Webs\/DE\/Stiftung\/Grundlagen\/Washingtoner-Prinzipien\/Index.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.kulturgutverluste.de\/Webs\/DE\/Stiftung\/Grundlagen\/Washingtoner-Prinzipien\/Index.html\" target=\"_blank\">Washingtoner Konferenz<\/a>. 1998 hatten Kunsth\u00e4ndlerinnen und Kunsth\u00e4ndler sowie Museumsdirektorinnen und Museumsdirektoren in den USA die Washingtoner Prinzipien entwickelt. Ein Jahr sp\u00e4ter hat die Bundesrepublik Deutschland darauf aufbauend die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.kulturgutverluste.de\/Webs\/DE\/Stiftung\/Grundlagen\/Gemeinsame-Erklaerung\/Index.html\" target=\"_blank\">\u201eGemeinsame Erkl\u00e4rung\u201c<\/a> &nbsp;zum Umgang mit NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut f\u00fcr \u00f6ffentliche Einrichtungen entwickelt und durch die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.kulturgutverluste.de\/Content\/08_Downloads\/DE\/Grundlagen\/Handreichung\/Handreichung.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=6\" target=\"_blank\">Handreichung<\/a> zu ihrer Umsetzung erg\u00e4nzt. Das Ziel ist es, dieses Kulturgut zu restituieren, also den Nachfahren zur\u00fcckzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BM<\/strong>: Nehmen wir ein \u00f6ffentliches Museum, das eine Sammlung von Werken der Renaissance besitzt, die in den 1950er Jahren dem Museum geschenkt wurden. Das hei\u00dft, weder die Entstehung der Objekte noch ihre Schenkung erfolgten in der NS-Zeit. Warum ist hier Provenienzforschung trotzdem notwendig?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>SM<\/strong>: Provenienzforschung sollte immer dann durchgef\u00fchrt werden, wenn die Objekte zur Risikogruppe des NS-verfolgungsbedingten Entzugs geh\u00f6ren. Das erkennt man an zwei Merkmalen: Erstens muss das Objekt vor dem 8. Mai 1945 (Ende des NS-Regimes und des Zweiten Weltkriegs) entstanden sein. Zweitens muss das Objekt nach dem 30. Januar 1933 (Beginn des NS-Regimes) erworben worden sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beides trifft auf Ihr Beispiel zu. Die Renaissance-Werke sind (mehrere Jahrhunderte) vor 1945 entstanden und sie wurden nach 1933 geschenkt. Man muss in diesem Fall also pr\u00fcfen, ob die Werke von dem Schenkenden zudem nach 1933 erworben wurden. Dann k\u00f6nnte es sein, dass sie w\u00e4hrend der NS-Zeit beispielsweise einer j\u00fcdischen Kunstsammlerin verfolgungsbedingt abgepresst wurden, zum Beispiel, weil sie Deutschland verlassen und aufgrund ihrer Notsituation Hab und Gut \u2013 zu Niedrigpreisen \u2013 verkaufen musste. Genau solche Umst\u00e4nde werden dann etwas sperrig, aber sachlich korrekt als \u201everfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut\u201c bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BM<\/strong>: Was ist mit Werken, die ihren Besitzern in anderen historischen Zeiten au\u00dferhalb der NS-Zeit zu Unrecht entzogen wurden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>SM<\/strong>: Das Bewusstsein \u00fcber zu Unrecht entzogenes (geraubtes, abgepresstes, au\u00dfer Landes geschafftes) Kulturgut hat in den letzten Jahren dazu gef\u00fchrt, auch die Enteignungen in der Zeit der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR sowie die Kolonialzeit Europas in den Fokus zu nehmen. Dazu gibt es viele neue Untersuchungen. Enteignungen des DDR-Regimes sind f\u00fcr die Forschung im Br\u00f6han-Museum ebenfalls relevant, weil sich in der Sammlung einige Objekte befinden, die aus der DDR angekauft wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BM<\/strong>: Die zwei Merkmale, die Sie gerade genannt haben, treffen auch auf die Sammlung des Br\u00f6han-Museums zu: Der Museumsgr\u00fcnder Karl H. Br\u00f6han hat in den 1960er Jahren mit dem Sammeln begonnen und sein Sammlungsschwerpunkt endet in den 1930er Jahren. Muss somit der ganze Museumsbestand untersucht werden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>SM<\/strong>: Genau! Tats\u00e4chlich geh\u00f6rt jedes Objekt des Bestandes zur Risikogruppe, da die Sammlung erst nach der NS-Zeit aufgebaut wurde und all die Werke darin vor 1945 entstanden sind. Also muss der ganze Bestand unter die Lupe genommen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BM<\/strong>: In welchem Entwicklungsstand befindet sich dieser Prozess derzeit?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>SM<\/strong>: Wir stehen ganz am Anfang. Ungef\u00e4hr 200 Objekte der Gem\u00e4ldesammlung habe ich bereits einer ersten Einsch\u00e4tzung unterzogen. Das geschah im Rahmen der Bestandsaufnahme Gem\u00e4ldesammlung, die ich vor zwei Jahren in einem Provenienzforschungsprojekt durchgef\u00fchrt habe. Sechs Werke stellen sich bislang als unbelastet heraus. Bei der gro\u00dfen Mehrzahl sind weitere Pr\u00fcfungen notwendig. Dann kommen die anderen Sammlungsbereiche an die Reihe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BM<\/strong>: Mich w\u00fcrde interessieren, wie geht man beim Forschungsprozess vor? Welcher Weg f\u00fchrt zur Entdeckung des Unrechts in der Geschichte eines Objektes?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>SM<\/strong>: Bei jedem Werk ist der Weg ein anderer. Gibt es eine Restitutionsanfrage, hat man dadurch oft bereits zu Beginn genauere Angaben zur Vorgeschichte des fr\u00fcheren Sammlers und vielleicht auch zu Ort und Zeitpunkt des Verkaufs, auf der man in der Forschung aufbauen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem es gibt Werke, bei denen die Forschung einfacher ist, als bei anderen. Eine reale Chance, die Herkunft zu ermitteln, ist bei Unikaten am h\u00f6chsten, also \u00d6lgem\u00e4lde und Aquarelle zum Beispiel. Sehr schwer ist es bei B\u00fcchern, Radierungen, M\u00f6beln, Silber etc. \u2013 immer dort, wo es sich um mehrfach oder in Serie produzierte Objekte handelt. Da ist die Dokumentationslage deutlich schwieriger, um nachzuweisen, dass genau dieses Buch oder dieser Silberl\u00f6ffel einer bestimmten Person geh\u00f6rt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BM<\/strong>: Sie haben also eine komplexe Aufgabe hier im Br\u00f6han-Museum, da ein Gro\u00dfteil der Sammlung aus mehrfach oder seriell produzierten Werken besteht. Bleiben wir der Einfachheit halber nun bei Gem\u00e4lden. Man hat ein \u00d6lgem\u00e4lde, sagen wir eine sch\u00f6ne Landschaft von Leistikow, und m\u00f6chte wissen, ob dieses Werk seinen Besitzern zu Unrecht entzogen wurde. Was macht man als Erstes?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>SM<\/strong>: Leistikow ist ein gutes Beispiel: Zwei Werke von ihm habe ich in den letzten Jahren genauer untersucht. Aufgrund einer Restitutionsanfrage habe ich mir 2019 das Gem\u00e4lde \u201eGrunewaldsee oder Schlachtensee\u201c genauer angesehen. Es stellte sich heraus, dass das Gem\u00e4lde nicht von Leistikow stammt, sondern seine Signatur gef\u00e4lscht worden war. Die elektronenmikroskopische Untersuchung eines Restaurators best\u00e4tigte dies. Das Bild wurde abgeschrieben, die Restitutionsanfrage hatte sich er\u00fcbrigt. Bei \u201eWolkenschatten\u201c meldete sich die fr\u00fchere Besitzerin, die ihr ehemaliges Gem\u00e4lde w\u00e4hrend einer Ausstellung wiedersah. Sie erz\u00e4hlte uns ihre Geschichte. Dadurch konnten wir die entscheidende L\u00fccke in der Provenienz \u2013 etwas verk\u00fcrzt dargestellt \u2013 positiv schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur\u00fcck zu Ihrer Frage, wie gehe ich bei der Provenienzforschung vor? Grunds\u00e4tzlich schaue ich mir als Erstes das Objekt selbst genau an. Zun\u00e4chst die Vorderseite: Ich gleiche alle Angaben mit dem Inventarblatt ab und pr\u00fcfe die Signatur, gegebenenfalls stilistische Merkmale des Gem\u00e4ldes und die Echtheit. Dann untersuche ich die R\u00fcckseite \u2013 man spricht auch von einer Anamnese \u2013 und kl\u00e4re, ob es Aufkleber, Beschriftungen, Galerie- oder Zoll-Stempel gibt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Provenienz_Interview_Bild_10-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1159\" srcset=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Provenienz_Interview_Bild_10-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Provenienz_Interview_Bild_10-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Provenienz_Interview_Bild_10-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Provenienz_Interview_Bild_10-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Provenienz_Interview_Bild_10.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Dr. Sabine Meister untersucht die R\u00fcckseite des Gem\u00e4ldes &#8222;Landschaft mit Weinbergen bei Meran&#8220; von Walter Leistikow<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BM<\/strong>: Was k\u00f6nnen uns solche Spuren verraten?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>SM<\/strong>: Sie erz\u00e4hlen uns immer eine Geschichte. So kann zum Beispiel eine Zahl der Hinweis auf eine Ausstellung oder ein Auktionslos sein. Kann man die Zahl identifizieren, wei\u00df man, in welchem Jahr auf welcher Versteigerung das Bild war. Findet man einen Zollstempel, kann man rekonstruieren, \u00fcber welche Grenze und in welches Land das Bild gereist ist. Manchmal findet man den originalen Bildtitel von der Hand des K\u00fcnstlers oder einen Aufkleber eines Rahmenmachers. Oder es gibt einen wei\u00dfen Aufkleber mit blauem Rand und einer mit schwarzer Tusche geschriebenen Ziffernfolge. Das deutet darauf hin, dass das Werk im \u201eSonderauftrag Linz\u201c entwendet wurde und f\u00fcr das geplante Museum Adolf Hitlers in Linz gedacht war. Bislang haben wir noch keinen Linz-Stempel identifiziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BM<\/strong>: Hat man das Objekt untersucht, was kommt als N\u00e4chstes?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>SM<\/strong>: Ich pr\u00fcfe zusammen mit den Kollegen die Aktenlage im Haus \u2013 was oft gleichzeitig mit der Anamnese erfolgt. Man studiert die historischen Unterlagen wie Ankaufs- oder Schenkungsakten, alte, handgeschriebene Inventarb\u00fccher und die Korrespondenz. Danach wird die Gegen\u00fcberlieferung gepr\u00fcft, also historische Dokumente, die sich in anderen Archiven befinden, zum Beispiel die Wiedergutmachungsakten aus der fr\u00fchen Zeit der Bundesrepublik. Alle Informationen, die man zu einem Objekt zusammentragen kann, werden chronologisch aufgelistet, das ist dann die sogenannte Provenienzkette. Zeitr\u00e4ume, \u00fcber die man (noch) nichts wei\u00df, bleiben frei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BM<\/strong>: Das klingt nach einem vielschichtigen Prozess, und ich kann mir vorstellen, dass er auch eine lange Zeit dauern kann. Wann ist die Provenienzforschung an einem Werk eigentlich abgeschlossen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>SM<\/strong>: Wenn die Provenienzkette geschlossen ist, wenn also eine l\u00fcckenlose Darstellung der Herkunft des Objekts erfolgt ist. Diese F\u00e4lle sind eher selten. Meistens kann man nur einen vorl\u00e4ufigen Bericht schreiben, weil noch Informationen fehlen und die Akte darum nicht geschlossen werden kann. In diesen F\u00e4llen kann noch keine Entscheidung \u00fcber eine m\u00f6gliche R\u00fcckgabe getroffen werden. Wenn die Herkunft eines Werks vollst\u00e4ndig ermittelt ist, zeigt sich, ob es in der NS-Zeit eine unrechtm\u00e4\u00dfige Enteignung gegeben hatte. Sollte das der Fall sein, ist der n\u00e4chste Schritt, die Erben zu ermitteln und zu kontaktieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BM<\/strong>: Das Br\u00f6han-Museum hat bisher noch kein Werk restituiert?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>SM<\/strong>: Genau, bislang gab es noch keine Restitution.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BM<\/strong>: Sie sind seit mehr als 15 Jahren als Provenienzforscherin t\u00e4tig. Was macht Ihnen in der Provenienzforschung besonders Spa\u00df?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>SM<\/strong>: Es macht mir Freude, mehr \u00fcber ein Werk zu erfahren. Die Provenienzforschung f\u00fchrt mich oft auf ungeahnte und entlegene Pfade. Der Austausch mit Zeitzeugen und Nachfahren ist bewegend und lehrreich. Durch die Forschung leisten wir einen Beitrag, organisiertem Verbrechen durch staatliche Ideologien das Erinnern entgegenzustellen \u2013 konkret auf die Zeit des Nationalsozialismus bezogen: das Erinnern an die aktive Teilhabe des j\u00fcdischen B\u00fcrgertums am Kunst- und Kulturleben vor dem Holocaust. Was mich au\u00dferdem beeindruckt ist, dass man durch die zielgerichtete Provenienzforschung viel \u00fcber die Sammlung und deren Geschichte erf\u00e4hrt \u2013 so auch \u00fcber Karl&nbsp;H.&nbsp;Br\u00f6hans gro\u00dfe Leidenschaft des Sammelns.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BM<\/strong>: Wie ist Ihr Blick in die Zukunft der Sammlung?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>SM<\/strong>: Wir reagieren nicht nur auf Anfragen nach einer m\u00f6glichen Restitution, sondern das Br\u00f6han-Museum erforscht die Provenienzen proaktiv und dr\u00fcckt damit die gesellschaftliche Verantwortung aus. Dass es jetzt eine feste Stelle f\u00fcr die Provenienzforschung am Haus gibt, die an die Sammlungsbetreuung gekoppelt ist, bietet gute Arbeitsbedingungen, weil beide Bereiche eng miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beleuchten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Langfristig ist geplant, die Digitalisierung aller Objekte weiter voranzutreiben und online zu stellen \u2013 und das wiederum mit der neuen Forschung zu verbinden. Diese Transparenz ist ein wichtiger Weg des Br\u00f6han-Museums in die Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BM<\/strong>: Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Interview f\u00fchrte Alexandra Koronkai-Kiss, wissenschaftliche Volont\u00e4rin f\u00fcr Vermittlung und \u00d6ffentlichkeitsarbeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Br\u00f6han-Museum: Frau Dr. Meister, seit Anfang dieses Jahres sind Sie im Br\u00f6han-Museum als Sammlungskuratorin t\u00e4tig. 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