{"id":1082,"date":"2020-10-28T14:40:54","date_gmt":"2020-10-28T13:40:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/?p=1082"},"modified":"2020-10-28T14:40:57","modified_gmt":"2020-10-28T13:40:57","slug":"im-fokus-der-proletarische-blick-arbeiterfotografie-der-1920er-jahre-von-kurt-pfannschmidt-ernst-thormann-und-richard-woike","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/2020\/10\/28\/im-fokus-der-proletarische-blick-arbeiterfotografie-der-1920er-jahre-von-kurt-pfannschmidt-ernst-thormann-und-richard-woike\/","title":{"rendered":"Im Fokus \/\/ Der proletarische Blick \u2013 Arbeiterfotografie der 1920er Jahre von Kurt Pfannschmidt, Ernst Thormann und Richard Woike"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellung \u201eDer proletarische Blick\u201c vermittelt ein\nemotionsreiches und komplexes Bild der Zwischenkriegsjahre. Kurt Pfannschmidt\n(1900-1987), Ernst Thormann (1905-1984) und Richard Woike (1901-1976)\ndokumentieren diese Zeit in ihrer Vielf\u00e4ltigkeit. Die Fotografien zeigen den\nlebendigen Alltag der Berliner Stra\u00dfen, die Zusammenk\u00fcnfte der Arbeiterbewegung,\naber auch die von Armut durchwachsenen Lebensumst\u00e4nde. Dabei handelt es sich\nnicht um n\u00fcchterne Beweismittel. Die Fotografien sind aus Sicht der\nArbeiterschaft entstanden und von ihrer Anteilnahme am Gesehenen beeinflusst.\nSie zeigen einen sinnlichen Eindruck aus der Masse und ein Abbild eines proletarischen\nBlicks. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst als sich nach der Wende zum 20. Jahrhundert auch\nnichtb\u00fcrgerliche Amateure einen Fotoapparat leisten konnten, hatten auch\nArbeiter die M\u00f6glichkeit, ihr Leben festzuhalten. Sie konnten ihren Blickwinkel\nabbilden und somit ein eigenes Bild ihrer Klasse erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Preisausschreiben der \u201eArbeiter Illustrierten Zeitung\u201c\n(AIZ) im M\u00e4rz 1926 f\u00fchrte zu einer gemeinsamen Zielsetzung der\nArbeiterfotografen. Die AIZ, die eine ideologische N\u00e4he zur KPD hatte, war die zweitgr\u00f6\u00dfte\ndeutschsprachige Illustrierte. Sie bildete ein proletarisches Gegenst\u00fcck zu\nb\u00fcrgerlich illustrierter Presse. Die von b\u00fcrgerlichen Agenturen gelieferten\nFotografien gaben die Welt der Arbeiterschaft nicht wieder, wie die AIZ sie\ndarstellen wollte. Um sich davon unabh\u00e4ngig zu machen, rief die AIZ im\nPreisausschreiben 1926 ihre Leser dazu auf, Fotografien der Arbeiterschaft, die\ndie soziale Lage zeigten, einzusenden. Dies stie\u00df auf gro\u00dfe Resonanz und\nbildete einen Auftakt f\u00fcr die proletarische Fotografie-Bewegung: Die\nVereinigung der Arbeiter Fotografen Deutschlands (VdAFD) wurde gegr\u00fcndet und in\nverschiedenen St\u00e4dten entstanden Ortsgruppen. Als Mittteilungsblatt der\nVereinigung erschien \u201eDer Arbeiter-Fotograf\u201c. Er bot Anleitungen zur Ausbildung\neffizienter Fotokorrespondenten. Sowohl Ernst Thormann, als auch Kurt\nPfannschmidt und Richard Woike waren Mitglieder der VdAFD. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die b\u00fcrgerliche Presse verkl\u00e4rte Bereiche der proletarischen\nLebenswelt durch \u00c4sthetisierung und Idealisierung oder sparte sie ganz aus. Dem\nwollte die AIZ entgegenwirken indem sie das proletarische Leben in den\nMittelpunkt stellte. Die Fotografie sollte dabei keine Originalit\u00e4t oder\nk\u00fcnstlerischen Anspruch \u00e4u\u00dfern, sie sollte nicht gestellt oder pers\u00f6nlich sein.\nGefordert waren Bilder aus dem Alltag der Arbeiter, der Arbeit in den Fabriken,\nder Auswirkungen der Arbeitslosigkeit, der elenden Wohnbedingungen, Bilder von\nder Arbeiterbewegung und der staatlichen Gewalt. Die Kamera sollte als\nobjektiver Beobachter dienen. Allerdings war die Gleichzeitigkeit des Festhaltens\ndes von ihnen Erlebten und des Machens von agitatorisch wirksamen Fotografin\nkeine leicht zu bew\u00e4ltigende Aufgabe. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Dokumentieren der Arbeitsverh\u00e4ltnisse war m\u00fchevoll, denn\ndas Fotografieren in Fabriken war untersagt und konnte nur auf illegalem Wege durchgef\u00fchrt\nwerden. Hinzu kam das Problem der schlechten Lichtverh\u00e4ltnisse, denen die\nverf\u00fcgbaren Kameras nicht gewachsen waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und geringen\ndurchschnittlichen Wochenlohns gab es gro\u00dfe Hindernisse materieller Art, da\nFotoapparate und Filmmaterial teuer waren. Au\u00dferdem verf\u00fcgten viele nicht \u00fcber\ndie erforderlichen R\u00e4umlichkeiten zum Entwickeln der Fotografien. Das Arbeiten\nin Kollektiven erleichterte diese Probleme. Kollektives Arbeiten war auch aus\nanderen Gr\u00fcnden erforderlich. Denn auch das Dokumentieren von Ereignissen der\nrevolution\u00e4ren Arbeiterbewegung in Bildern war gefordert, allerdings durch die\nhohe Gewaltbereitschaft von Nationalsozialisten und Polizei gef\u00e4hrlich. Die\nverst\u00e4rkte \u00dcberwachung von Demonstrationen, die Zerst\u00f6rung von Kameras und das Erteilen\nwillk\u00fcrlicher Verbote von Seiten der Polizei erschwerte die Arbeit der\nFotografen erheblich. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nichtsdestotrotz sind in den 1920er Jahren eine Vielzahl von\nFotografien entstanden, die das Leben der Arbeiterschaft aus ihrem eigenen\nBlickwinkel abbilden. Sie geben Auskunft \u00fcber die Rolle von Fotografie als Waffe\nim Klassenkampf, aber auch \u00fcber die komplexen Bed\u00fcrfnisse der einzelnen Akteure.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellung schlie\u00dft an die vom 12. Mai bis zum 27.\nSeptember 2020 im Br\u00f6han-Museum gezeigte Ausstellung zu Werken von Hans\nBaluschek an. Hans Baluschek hatte neben anderen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern\nauf die Lebensumst\u00e4nde der Arbeiterschaft aufmerksam gemacht und das\nIndustrieproletariat zum Thema der Kunst erhoben. Durch die Emanzipation der\nArbeiterschaft entstand die M\u00f6glichkeit, ihr Leben aus ihrer eigenen Sicht\nabzubilden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Text: Tonia Kr\u00fcger<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-3 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/58_Thormann_titelkind-knapp-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"983\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/58_Thormann_titelkind-knapp-1-1024x983.jpg\" alt=\"\" data-id=\"1052\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/58_Thormann_titelkind-knapp-1.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/58_thormann_titelkind-knapp-2\/\" class=\"wp-image-1052\" srcset=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/58_Thormann_titelkind-knapp-1-1024x983.jpg 1024w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/58_Thormann_titelkind-knapp-1-300x288.jpg 300w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/58_Thormann_titelkind-knapp-1-768x737.jpg 768w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/58_Thormann_titelkind-knapp-1-1536x1475.jpg 1536w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/58_Thormann_titelkind-knapp-1.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Ernst Thormann \u201eZigeunerkind\u201c (historischer Bildtitel) o. J., Originalabzug Ernst-Thormann-Archiv<\/figcaption><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/06_Thormann_Zeitungsjunge-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"717\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/06_Thormann_Zeitungsjunge-1-717x1024.jpg\" alt=\"\" data-id=\"1048\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/06_Thormann_Zeitungsjunge-1.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/06_thormann_zeitungsjunge-2\/\" class=\"wp-image-1048\" srcset=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/06_Thormann_Zeitungsjunge-1-717x1024.jpg 717w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/06_Thormann_Zeitungsjunge-1-210x300.jpg 210w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/06_Thormann_Zeitungsjunge-1-768x1097.jpg 768w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/06_Thormann_Zeitungsjunge-1-1075x1536.jpg 1075w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/06_Thormann_Zeitungsjunge-1.jpg 1120w\" sizes=\"auto, (max-width: 717px) 100vw, 717px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Ernst Thormann Zeitungsjunge 1929, Modern Print Ernst-Thormann-Archiv<\/figcaption><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/42_Thormann_Kinderarbeit-Bocktra\u00cc\u0088ger-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"715\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/42_Thormann_Kinderarbeit-Bocktra\u00cc\u0088ger-1-715x1024.jpg\" alt=\"\" data-id=\"1051\" data-full-url=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/42_Thormann_Kinderarbeit-Bocktra\u00cc\u0088ger-1.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/42_thormann_kinderarbeit-bocktrai%c2%88ger-2\/\" class=\"wp-image-1051\" srcset=\"https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/42_Thormann_Kinderarbeit-Bocktra\u00cc\u0088ger-1-715x1024.jpg 715w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/42_Thormann_Kinderarbeit-Bocktra\u00cc\u0088ger-1-209x300.jpg 209w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/42_Thormann_Kinderarbeit-Bocktra\u00cc\u0088ger-1-768x1100.jpg 768w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/42_Thormann_Kinderarbeit-Bocktra\u00cc\u0088ger-1-1072x1536.jpg 1072w, https:\/\/www.broehan-museum.de\/broehan-blog\/wp-content\/uploads\/42_Thormann_Kinderarbeit-Bocktra\u00cc\u0088ger-1.jpg 1117w\" sizes=\"auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px\" \/><\/a><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Ernst Thormann Kinderarbeit (Fotografien zur Reportage \u201eDas Jahrhundert des Kindes?\u201c) o. 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