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Die Berliner Secession und Ihre Künstlerinnen

11. Februar 2026

Die Berliner Secession wurde 1898 als Abspaltung von der konservativen „Großen Berliner Kunstausstellung“ gegründet. Ihr Ziel war künstlerische Freiheit und Offenheit gegenüber Impressionismus und Symbolismus. Namen wie Max Liebermann, Lovis Corinth oder Max Slevogt sind bis heute fest mit dieser Bewegung verbunden. Weniger präsent ist jedoch eine andere Gruppe, die ebenfalls an der Secession beteiligt waren: die Künstlerinnen. Dabei waren sie keineswegs Randfiguren, sondern aktive, erfolgreiche und teils prägende Mitglieder.

Schon ein Blick auf die Mitgliederlisten zeigt, dass Künstlerinnen in der Berliner Secession durchaus vertreten waren. Zu den 68 Berliner Künstlerinnen und Künstler, die sich im Januar 1899 offiziell zu einer Secession zusammenschlossen, gehörten auch vier Frauen: Die Malerinnen Dora Hitz, Sabine Lepsius, Ernestine Schultze-Naumburg und Julie Wolfthorn; einige weitere stießen bald dazu, wie Maria Slavona.

Die Berliner Secession war die erste deutschsprachige Secession, die Frauen als vollwertige Mitglieder akzeptierte.

Trotz dieser Präsenz wurden viele dieser Künstlerinnen im Laufe des 20. Jahrhunderts aus dem kunsthistorischen Kanon verdrängt. Die Gründe dafür sind komplex und eng mit gesellschaftlichen Strukturen verbunden. Zwar verstand sich die Berliner Secession als progressiv, doch sie operierte weiterhin innerhalb einer Gesellschaft, in der Frauen systematisch benachteiligt waren. Bis 1919 war Frauen in Preußen der Zugang zu staatlichen Kunstakademien verwehrt. Für eine künstlerische Ausbildung standen ihnen damals Damenakademien und privat geführte Ateliers zur Verfügung, die oft weniger Ressourcen boten. Außerdem wurde der Wunsch, sich professionell der Kunst zu widmen, in der Zeit für Frauen als unpassend betrachtet. Weibliche Kunstschaffende wurde abwertend als „Malweiber“ bezeichnet.

Die Aufnahme von Frauen in die Berliner Secession war ein wichtiger Schritt, damit war jedoch keine Gleichberechtigung hergestellt. Sie erreichten nicht die selber Beachtung wie ihre männlichen Kollegen. Die Macht der Netzwerke. Kunstmarkt, Galerienwesen, Sammlerschaft und Kunstkritik waren fest in männlicher Hand. Sichtbarkeit entstand durch Beziehungen, Förderung und institutionelle Unterstützung.

Die politische Entwicklung des 20. Jahrhunderts verschärfte die Situation zusätzlich. Viele Künstlerinnen waren jüdischer Herkunft. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden sie verfolgt, emigrierten oder wurden deportiert.

Erst seit den 1970er Jahren begann eine feministisch orientierte Kunstgeschichte systematisch, diese Leerstellen zu hinterfragen. Archive wurden neu gesichtet, Werke wiederentdeckt, Ausstellungen organisiert.

Ein genauerer Blick auf ihre Werke eröffnet daher nicht nur neue ästhetische Perspektiven, sondern auch ein differenzierteres Verständnis der Kunst um 1900. Die Berliner Secession war vielfältiger, widersprüchlicher und spannender, als es die lange dominierende Meistererzählung vermuten lässt. Die Wiederentdeckung ihrer Künstlerinnen ist keine bloße Ergänzung des Bestehenden, sondern eine notwendige Erweiterung unseres Blicks auf die Moderne.

Text: Fadila Yassouf