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IM FOKUS // Ilna Ewers-Wunderwald. Wiederentdeckung einer Jugendstil-Künstlerin

21. Februar 2019

Sie war eine Frau mit vielen Talenten: Ilna Ewers-Wunderwaldzeichnete virtuos, illustrierte und übersetzte französische Literatur, entwarf Reformkleider und stand als Diseuse auf der Jugendstil-Bühne des Cabaret Fledermaus in Wien. Als geistreiche Intellektuelle, frühe Globetrotterin und androgyne Dandette, die schon vor dem Ersten Weltkrieg Hosen und einen Kurzhaarschnitt trug, entsprach sie ganz dem Bild der modernen Frau. Von der Jahrhundertwende bis in die 20er Jahre war die Künstlerin gut vernetzt in der künstlerisch-literarischen Avantgarde und beteiligte sich regelmäßig an Ausstellungen, so 1909 und 1910 in der Berliner Secession, wo ihre traumhaft-verrätselten symbolistischen Bildereinige Aufmerksamkeit erregten.

Der Sprung in die breite, auch museale Anerkennung war Ewers-Wunderwald, wie vielen Künstlerinnen ihrer Generation, dennoch nicht vergönnt. Einzig Literaturkennern ist sie heute noch als Ehefrau desskandalumwitterten Schriftstellers Hanns Heinz Ewers bekannt, dessen Bücher sie illustrierte. Der dämonischen Verführerin Alraune, Protagonistin seines gleichnamigen Bestseller-Romans, verlieh Ewers ihre Züge.

Grenzgänge von Erotik und Phantastik, ein märchenhafter Bildkosmos aus Wasserwesen und Paradiesvögeln, schillernden Blumen undgrotesken Fabeltieren kennzeichnen das Werk von Ilna Ewers-Wunderwald. Angeregt von Aubrey Beardsley schuf sie zudem feinlinige, schwarz-weiße Figurenszenen,die als Buchillustrationen Verwendung fanden. 1905 illustrierte sie eine Reihe von „Zoologischen Plaudereien“ in der Jugendstil-Zeitschrift „Heim der Jugend“, 1906 entstanden Menükarten für die eleganten Ozeanriesen der Hapag.

Ihre ausgedehnten Fernreisen waren für Ewers-Wunderwald eine schier unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Zusammen mit Ewers bereiste sie Europa, Südamerika und Australien, vor allem aber den asiatischen Kontinent, Japan, China und Südostasien. Besonders prägend war eine Indienreise, die das Ehepaar im Frühjahr 1910 antrat. Das dort erfahrene Nebeneinander von „Schönheit undGrauen“, wie es im Reisebericht der Künstlerin heißt, verarbeitete Ewers-Wunderwald in einer Serie von Federzeichnungen, von denen einige in Ewers‘ indisch inspirierter Gedichtsammlung „Moganni Nameh“ erschienen. Für ihre meist klein- oder mittelformatigen Originale entwickelte die Künstlerin eine Technik, die Federzeichnung und Gouache kombiniert. Die Werke sind linienbetont, flächenhaft dekorativ und von einer brillanten Farbigkeit, die bisweilen an Emailmalerei erinnert. Kostbar, beinahe intarsienhaft, heben sich die sorgfältig kolorierten Motive von einem oft nahezu monochromen Hintergrund ab.

Dem Engagement privater Sammler ist es zu danken, dass  große Teile des künstlerischen Nachlasses von Ilna Ewers-Wunderwald heute für eine Ausstellung greifbar sind. Mit dieser ersten kleinen Werkschau möchte das Bröhan-Museum einen Beitrag zur Wiederentdeckung der Künstlerin leisten.

Text: Anna Grosskopf