|

Vase mit Hermelinen, 1887, Kgl. Porzellanfabrik Kopenhagen

Vase mit Pfauenfedern, 1898,
Glasfabrik Joh. Lötz Wwe, Klostermühle

Schnee-Eule, 1895, Kgl. Porzellanfabrik
Kopenhagen
|
 |
Im allgemeinen
Bewusstsein wurde die Flora zum Synonym des Jugendstils,
doch die Tierwelt war nicht weniger artenreich und nicht
minder Inspiration für die Künstler der Zeit. Die thematische
Sonderausstellung im Bröhan-Museum zeigt erstmalig etwa
300 Tierplastiken und Objekte des Kunsthandwerks mit animalischen
Applikationen und Dekoren aus verschiedenen Materialien
wie Porzellan, Metall, Glas, Fayence, Leder oder Holz. Grafik
und Gemälde sind ebenfalls zu sehen. Die umfassende Schau
aus eigenem Bestand verdeutlicht, dass neben dem Farben-
und Formenreichtum auch oftmals eine versteckte Symbolik
durch den Jugendstil transportiert wurde.
Die Gründe, weshalb vor allem im Kunsthandwerk bestimmte
Tiere motivisch verarbeitet wurden, waren unterschiedlicher
Natur. Schwäne wurden um ihrer wellenförmigen Hälse willen
gewählt, die Schlange auf Grund ihres langen, sich windenden
Körpers, während Pfaue wegen ihrer ausgefallenen Federn
und schillernden Farben interessant waren. Schmetterlinge
und Libellen inspirierten wegen ihrer filigranen Flügel;
Fledermäuse, Krebse, Quallen oder Seepferdchen bestachen
durch ihre sonderbaren Formen. Zunehmend wurden auch Tiere
bevorzugt als dekorative Motive verwendet, die bisher von
der europäischen Kunst vernachlässigt worden waren, wie
beispielsweise Insekten. Der aufkommende Japonismus spielte
hierbei eine nicht unwesentliche Rolle, denn die Vorliebe
für Schwäne, Libellen oder Kraniche teilte der Jugendstil
mit der ostasiatischen Kunst, aber auch der genaue Blick
für Kleintiere hatte hier eine seiner Ursachen.
Genauso wie die Kunst des Jugendstils sich auffallend für
alles Organische, Pflanzliche und Kreatürliche interessierte,
sind auch Tiere von großer Bedeutung. Zudem liebt der Jugendstil
die Metamorphose, die Mischwesen, die aus Tier und Mensch
oder aus Mensch und Pflanze entstehen. Ebenso kann diese
Verwandlung aber auch zu einer eigentümlichen Verlebendigung
der Dinge führen. Das Dunkle und Abgründige fasziniert und
so sind es auch die Tiere der Nacht oder der Finsternis,
die sogar oft mit einer Phobie verbunden werden wie Schlange
und Fledermaus, Eule, Rabenvögel, Lurche, die sich als Applikationen,
Dekore oder Bilder auf Gegenständen des täglichen Gebrauchs
finden lassen. Dieser „Nachtseite“ des Jugendstils steht
eine hellere, freundliche Seite gegenüber. Heimische und
exotische Tiere werden in vielfältiger Weise von bekannten
Tierbildhauern dargestellt. Das Tier verkörpert eine andere,
fremde zugleich aber auch verwandte Evolutionsstufe.
Zur Ausstellung findet ein umfangreiches Rahmenprogramm
statt Weitere Informationen: www.broehan-museum.de
Zur Ausstellung ist eine Katalogbroschüre mit 64 Seiten
und 77 meist farbigen Abb. zum Preis von 10,- € erschienen
|