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Eva Stricker-Zeisel
© Eva Zeisel Archives

Marguerite Friedlaender-Wildenhain
Archiv der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Mokkaservice, Margarete Heymann-Marks,
um 1925/30
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Im Rahmen des Berliner Themenjahrs „2013 – Zerstörte Vielfalt“
zeigt das Bröhan-Museum eine Sonderausstellung mit etwa
180 Exponaten zu drei jüdischen Keramikerinnen der Avantgarde:
Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Margarete Heymann-Marks
und Eva Stricker-Zeisel. In der angewandten Kunst vor 1933
waren es gerade Frauen, nicht selten mit jüdischem Hintergrund,
die durch ihre künstlerische Begabung, ihre Durchsetzungskraft
und ihre Experimentierfreude großen Anteil an der Entwicklung
einer „Avantgarde für den Alltag“ in Deutschland hatten.
Exemplarisch soll dies in der Ausstellung anhand der Werke
und Biografien der genannten Keramikerinnen gezeigt werden.
Alle drei schufen wegweisende Formen und Dekore für Objekte
des täglichen Gebrauchs. Als Jüdinnen blieb ihnen nach 1933/38
die Fortsetzung ihrer beruflichen Laufbahn in Deutschland
verwehrt. Sie gingen ins Exil nach Großbritannien oder in
die USA.
Marguerite Friedlaender, verheiratete
Wildenhain (1896-1985) hatte seit 1925 sehr erfolgreich
an der Keramikwerkstatt der Burg Giebichenstein gearbeitet.
1929 übernahm sie die Leitung der dortigen Porzellanwerkstatt
und entwickelte für die Staatliche Porzellan-Manufaktur
(KPM) in Berlin Prototypen für Service, die in ihrer kompromisslosen
Klarheit zu Designklassikern wurden. Auf Druck der Nationalsozialisten
verlor sie 1933 ihre Anstellung an der Burg Giebichenstein
und emigrierte zunächst in die Niederlande, dann in die
USA.
Margarete Heymann, verheiratete Loebenstein, später verheiratete
Marks (1899-1990) hatte 1923 eine Manufaktur für moderne
Gebrauchskeramik gegründet, gemeinsam mit ihrem ersten Mann,
Dr. Gustav Loebenstein: die „Haël“-Manufaktur in Marwitz
bei Berlin. Die hier produzierten Steingutservice weisen
ausgefallene, abstrakt-geometrische Formen und Dekore auf
und wurden bis in die USA exportiert. Hatte Margarete Heymann
auch Anfang der 1930er Jahre infolge der Inflation mit großen
wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, so waren die
politischen Auswirkungen der NS-Diktatur entscheidend für
das Ende ihrer beruflichen Tätigkeit in Deutschland. Ab
1933 denunziert und erheblich unter Druck gesetzt, war sie
zum Verkauf ihrer Manufaktur weit unter Wert gezwungen.
Die junge Keramikerin Hedwig Bollhagen übernahm den Betrieb
in Marwitz. Heymann-Marks emigrierte 1936 nach Großbritannien,
wo sie zwar bis an ihr Lebensende künstlerisch tätig war,
aber an ihre früheren Erfolge nicht mehr anknüpfen konnte.
Eva Stricker, verheiratete Zeisel (1906-2011) gelang hingegen
im amerikanischen Exil eine erfolgreiche zweite künstlerische
Karriere als Designerin. Bereits im Deutschland der Weimarer
Republik war sie mit unkonventionellen Entwürfen für keramische
Gebrauchsgeschirre hervorgetreten. In den Zwanziger Jahren
gab es in Deutschland für solche Produkte eine starke Nachfrage.
Teilweise lieferte Eva Stricker die Entwürfe von Berlin
aus, wo sie im ehemaligen Atelier von Emil Nolde lebte und
arbeitete. Sie selbst schilderte rückblickend ihre Zeit
in der pulsierenden deutschen Metropole als besonders inspirierend.
1932 ging sie nach Russland, wo sie künstlerische Leiterin
der russischen Porzellan- und Glasindustrie wurde. Dort
infolge von Beschuldigungen, sie habe an Planungen eines
Attentats gegen Stalin mitgewirkt, 1936/37 inhaftiert, war
ihr als Jüdin nach der Freilassung aus dem Gefängnis die
Fortsetzung ihrer beruflichen Laufbahn in Deutschland und
Österreich verwehrt. Über England emigrierte Eva Stricker-Zeisel
1938 in die USA, wo sie mit ihren Entwürfen maßgeblich zum
Entstehen des amerikanischen „Organic Design“ beitrug.
In der Sammlung des Bröhan-Museums sind alle drei Künstlerinnen
mit wichtigen Werken vertreten: Marguerite Friedlaender-Wildenhain
mit ihren zeitlos-modernen Porzellanservicen für die Staatliche
Porzellanmanufaktur (KPM), Margarete Heymann-Marks mit ihren
farbintensiven „Haël“-Geschirren, Eva Stricker-Zeisel mit
experimentellen Servicen der Schramberger-Majolika-Fabrik
und der Hirschauer Chr. Carstens Steingutfabrik. Ergänzt
werden die Bestände durch ausgesuchte Leihgaben aus privaten
Sammlungen und Museen, wie dem Kunstgewerbemuseum SMB, Bauhaus-Archiv
Berlin, GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig.
Es erscheint ein Katalog mit 118 Seiten und zahlreichen
Farbabbildungen.
Zur Ausstellung findet ein Rahmenprogramm
mit Führungen und einem Workshop statt.
Unter dem Titel „Ton in Ton“ wird das
Jüdische Museum Berlin vom 10.10.2013 bis 2.2.2014 eine
thematisch verwandte Ausstellung zeigen, in der es um Margarete
Heymann-Marks‘ Arbeiten im englischen Exil sowie um weitere
jüdische Keramikerinnen geht, die von Deutschland nach Palästina
ausgewandert sind.

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