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Newsletter bestellen Avantgarde für den Alltag. Jüdische Keramikerinnen in Deutschland 1919-1933.
Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Margarete Heymann-Marks, Eva Stricker-Zeisel

Ausstellung vom 28. Februar bis 20. Mai 2013 im Bröhan-Museum, Berlin
Ausstellungsbeitrag des Bröhan-Museums zum Berliner Themenjahr „2013 Zerstörte Vielfalt“:



Eva Stricker-Zeisel
© Eva Zeisel Archives


Marguerite Friedlaender-Wildenhain
Archiv der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Mokkaservice, Margarete Heymann-Marks, um 1925/30





 

Im Rahmen des Berliner Themenjahrs „2013 – Zerstörte Vielfalt“ zeigt das Bröhan-Museum eine Sonderausstellung mit etwa 180 Exponaten zu drei jüdischen Keramikerinnen der Avantgarde: Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Margarete Heymann-Marks und Eva Stricker-Zeisel. In der angewandten Kunst vor 1933 waren es gerade Frauen, nicht selten mit jüdischem Hintergrund, die durch ihre künstlerische Begabung, ihre Durchsetzungskraft und ihre Experimentierfreude großen Anteil an der Entwicklung einer „Avantgarde für den Alltag“ in Deutschland hatten. Exemplarisch soll dies in der Ausstellung anhand der Werke und Biografien der genannten Keramikerinnen gezeigt werden. Alle drei schufen wegweisende Formen und Dekore für Objekte des täglichen Gebrauchs. Als Jüdinnen blieb ihnen nach 1933/38 die Fortsetzung ihrer beruflichen Laufbahn in Deutschland verwehrt. Sie gingen ins Exil nach Großbritannien oder in die USA.

Marguerite Friedlaender, verheiratete Wildenhain (1896-1985) hatte seit 1925 sehr erfolgreich an der Keramikwerkstatt der Burg Giebichenstein gearbeitet. 1929 übernahm sie die Leitung der dortigen Porzellanwerkstatt und entwickelte für die Staatliche Porzellan-Manufaktur (KPM) in Berlin Prototypen für Service, die in ihrer kompromisslosen Klarheit zu Designklassikern wurden. Auf Druck der Nationalsozialisten verlor sie 1933 ihre Anstellung an der Burg Giebichenstein und emigrierte zunächst in die Niederlande, dann in die USA.

Margarete Heymann, verheiratete Loebenstein, später verheiratete Marks (1899-1990) hatte 1923 eine Manufaktur für moderne Gebrauchskeramik gegründet, gemeinsam mit ihrem ersten Mann, Dr. Gustav Loebenstein: die „Haël“-Manufaktur in Marwitz bei Berlin. Die hier produzierten Steingutservice weisen ausgefallene, abstrakt-geometrische Formen und Dekore auf und wurden bis in die USA exportiert. Hatte Margarete Heymann auch Anfang der 1930er Jahre infolge der Inflation mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, so waren die politischen Auswirkungen der NS-Diktatur entscheidend für das Ende ihrer beruflichen Tätigkeit in Deutschland. Ab 1933 denunziert und erheblich unter Druck gesetzt, war sie zum Verkauf ihrer Manufaktur weit unter Wert gezwungen. Die junge Keramikerin Hedwig Bollhagen übernahm den Betrieb in Marwitz. Heymann-Marks emigrierte 1936 nach Großbritannien, wo sie zwar bis an ihr Lebensende künstlerisch tätig war, aber an ihre früheren Erfolge nicht mehr anknüpfen konnte.

Eva Stricker, verheiratete Zeisel (1906-2011) gelang hingegen im amerikanischen Exil eine erfolgreiche zweite künstlerische Karriere als Designerin. Bereits im Deutschland der Weimarer Republik war sie mit unkonventionellen Entwürfen für keramische Gebrauchsgeschirre hervorgetreten. In den Zwanziger Jahren gab es in Deutschland für solche Produkte eine starke Nachfrage. Teilweise lieferte Eva Stricker die Entwürfe von Berlin aus, wo sie im ehemaligen Atelier von Emil Nolde lebte und arbeitete. Sie selbst schilderte rückblickend ihre Zeit in der pulsierenden deutschen Metropole als besonders inspirierend. 1932 ging sie nach Russland, wo sie künstlerische Leiterin der russischen Porzellan- und Glasindustrie wurde. Dort infolge von Beschuldigungen, sie habe an Planungen eines Attentats gegen Stalin mitgewirkt, 1936/37 inhaftiert, war ihr als Jüdin nach der Freilassung aus dem Gefängnis die Fortsetzung ihrer beruflichen Laufbahn in Deutschland und Österreich verwehrt. Über England emigrierte Eva Stricker-Zeisel 1938 in die USA, wo sie mit ihren Entwürfen maßgeblich zum Entstehen des amerikanischen „Organic Design“ beitrug.

In der Sammlung des Bröhan-Museums sind alle drei Künstlerinnen mit wichtigen Werken vertreten: Marguerite Friedlaender-Wildenhain mit ihren zeitlos-modernen Porzellanservicen für die Staatliche Porzellanmanufaktur (KPM), Margarete Heymann-Marks mit ihren farbintensiven „Haël“-Geschirren, Eva Stricker-Zeisel mit experimentellen Servicen der Schramberger-Majolika-Fabrik und der Hirschauer Chr. Carstens Steingutfabrik. Ergänzt werden die Bestände durch ausgesuchte Leihgaben aus privaten Sammlungen und Museen, wie dem Kunstgewerbemuseum SMB, Bauhaus-Archiv Berlin, GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig.

Es erscheint ein Katalog mit 118 Seiten und zahlreichen Farbabbildungen.

Zur Ausstellung findet ein Rahmenprogramm mit Führungen und einem Workshop statt.

Unter dem Titel „Ton in Ton“ wird das Jüdische Museum Berlin vom 10.10.2013 bis 2.2.2014 eine thematisch verwandte Ausstellung zeigen, in der es um Margarete Heymann-Marks‘ Arbeiten im englischen Exil sowie um weitere jüdische Keramikerinnen geht, die von Deutschland nach Palästina ausgewandert sind.


© 2008 Bröhan-Museum | Bronze-Figur: Agathon Léonard, Danseuse au bracelet (Tänzerin mit Armband), um 1900, Bronze, goldpatiniert, Susse Frères, Paris | Abb.: Kaffee- und Teeservice "Eclipse", Tétard Frères, Paris, um 1930 | Webdesign unicom-berlin.de