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Kunstperioden 1889-1939
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Kunstperioden 1889–1939 Funktionalismus

Maschinenarbeit und Industrieproduktion haben auch zu einer neuen Auffassung vom Schönen geführt, zu einer Ästhetik des technischen Zeitalters. Seit der Gründung des Deutschen Werkbunds 1907 wurden diese Gestaltungsprinzipien öffentlich wirksam, am klarsten sind sie mit dem Begriff Bauhaus-Stil zu benennen. Das Bauhaus, 1919 in Weimar gegründet und 1925 nach Dessau umgezogen, war eine Kunstschule neuen Typs, sein Gründer und Direktor Walter Gropius wollte Technik und Kunst zu einer neuen Einheit verbinden. Der Künstler mußte bereit sein, in die Industrie zu gehen, und Muster schaffen, die für die Serienproduktion geeignet waren.

Am erfolgreichsten wurde dieser Weg von Wilhelm Wagenfeld beschritten. Im Laufe seines langen Lebens (1900-1990) entstanden hunderte von Gebrauchsgegenständen, die man täglich in die Hand nimmt: Tassen, Teller, Gläser, Bestecke. Einfach, praktisch und schön waren sie, ohne unnützen Zierat, keiner Mode zu Diensten, fern jeglichem Streben nach Originalität. Als künstlerischer Leiter der Vereinigten Lausitzer Glaswerke in Weißwasser seit 1935 hatte Wagenfeld die von seiten der Industrie aus Interesselosigkeit und Unverständnis nur selten gebotene Möglichkeit, die gesamte Produktion dieses damals größten europäischen Glaskonzerns nach und nach auf ein Niveau zu heben, wie das mit derartiger Konsequenz ein zweites Mal erst wieder seit 1955 von der Firma Braun verwirklicht wurde.
Von vergleichbarer Bedeutung war der Architekt Hermann Gretsch. Aus einer der bürgerlichen Kultur des Biedermeier verpflichteten, der Tradition eines heimatverbundenen Bauens verbundenen Gesinnung heraus fand er zu einer zweckmäßigen, harmonischen Gestaltung des Hausgeräts, Geschirr aus Porzellan und Steingut, Trinkgläsern, Bestecken, die bis weit in die Nachkriegszeit und über seinen Tod 1950 hinaus einen erheblichen Einfluß ausübte. Ähnlich wie bei Wagenfeld fand Gretsch die Basis für sein Schaffen in der künstlerischen Verantwortlichkeit für die Produktion der Porzellanwerke des Kahla-Konzerns, vor allem der Porzellanfabrik Arzberg.



© 2008 Bröhan-Museum | Bronze-Figur: Agathon Léonard, Danseuse au bracelet (Tänzerin mit Armband), um 1900, Bronze, goldpatiniert, Susse Frères, Paris | Abb.:
Kanne, um 1926, Deutsche Werkstätten AG, Hellerau | Webdesign unicom-berlin.de