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1898 wurde unter der Führung der Maler Max Liebermann und Walter Leistikow die Berliner Secession gegründet. Das Verdienst dieser Künstlervereinigung besteht darin, sich von der konservativen offiziellen Kunstauffassung und Kunstpolitik emanzipiert und eine moderne, von übernationalen Kunstströmungen belebte Malerei durchgesetzt zu haben.
Karl Hagemeister (1848-1933) ist der große Luminarist. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Berliner Secession, in der sich 1898 die fortschrittlich eingestellten Künstler der Reichshauptstadt organisierten. Hagemeister war ein "Alternativer", der in selbstgewählter Einsiedelei sein Verhältnis zur Natur suchte und Impression und Stimmung im Wandel der Jahreszeiten zu Bildern verdichtete. Er schuf aus dem Dunkel seiner frühen Palette neue Farbenklänge, um dann "zu jenen großen und farbenzarten Schöpfungen zu gelangen, die den letzten Reiz von märkischen Wäldern und schilfumkränzten Seen eingefangen haben mit einer überzeugenden Kraft, wie das nie eine Malerei vor ihm oder neben ihm getan hat" (G. Hermann, 1918). Nur wenige Bilder sind so geeignet wie die von Karl Hagemeister, Jugendstil-Interieurs zu vervollständigen, den Räumen Glanzlichter aufzusetzen. Hagemeisters "Seerosen" – Gemälde im Salon Hector Guimard bildet mit den zeitgleich geschaffenen Möbeln aus Paris, den Lüstergläsern aus Böhmen, den Porzellanvasen von Sèvres und Rörstrand und dem rotgrundigen Teppich mit den vegetabilen Farben ein Ensemble erlesener Harmonie.
Hans Baluschek (1870-1935) gehörte der nächsten Generation an; er war einer der Jüngsten unter den Secessionsgründern. So wie Henri de Toulouse-Lautrec mit dem Pariser "Fin de siècle" assoziiert wird, so gilt gleiches für den herben "preußischen" Künstler Hans Baluschek in bezug auf das Berlin der Jahrhundertwende. Wie kaum ein anderer Künstler erfaßte Baluschek den Geist der Zeit, der sozialen Spannungen der Wilhelminischen Ära. Er entdeckte den Reiz der Großstadt, der Industrie und der Technik. Er identifizierte sich mit den Armen, den Proletariern, den Kleinbürgern, den psychisch und physisch Kranken. Aus diesem Engagement heraus entwickelte Baluschek seine Bilder. Seine Kunst hat eine große Spannbreite; sie reicht von sozialkritischen Anklagen über realistische Großstadtdarstellungen und Industriebilder bis hin zu phantasievollen Märchenillustrationen, beispielsweise für "Peterchens Mondfahrt" von Gerd von Bassewitz, noch heute ein Bestseller unter den Kinderbüchern.
Die neue Sicht, die Wahl seiner Sujets und sein soziales Engagement machen Baluschek, der von Kaiser Wilhelm II. als "Rinnsteinkünstler" diffamiert wurde, zu einem revolutionären Künstler. Das Bröhan-Museum besitzt zahlreiche Werke von Baluschek.
Das Werk von Willy Jaeckel (1888-1944), Repräsentant der nachfolgenden Generation, teilt sich vom Inhalt wie von der Form her in unterschiedliche Phasen. Während Jaeckel im "Romanischen Café" noch weitgehend dem Naturalismus verpflichtet ist, folgt anschließend die Auseinandersetzung mit dem Expressionismus, bis er, erschüttert durch das Erlebnis des Ersten Weltkrieges, zu monumentalen, farbstarken Schöpfungen gelangt. Nun bannte er, dem alle Konvention fragwürdig geworden ist, Urzustände der Natur und der Kreatur auf die Leinwand. Edwin Redslob, der frühere Reichskunstwart der Weimarer Republik, sagte über das Werk Jaeckels: "Wir stehen staunend vor der hinreißenden Kraft seines großen Könnens. Dieser Maler packt das Objekt und das Objekt ergreift auch ihn. Daraus erklärt sich die ungewöhnliche Vielseitigkeit: seine Kunst ist im besten Sinne gesellschaftlich und machte ihn zu einem der besten Porträtisten seiner Zeit. Zugleich ist Jaeckel in der Darstellung von Frauen ein Gestalter religiöser und sozialer Motive. Nur der hat Jaeckels Kunst erfaßt, der die Weite seiner Begabung und die innere Spannung seines Werkes begreift. Es ist kein Widerspruch, daß der elegante Porträtist zum visionären Physiognomiker wurde, der im Sinne Dantes, Goyas und William Blakes die furchtbare Bedrängnis durch die Laster der Menschen in kühnen graphischen Visionen abreagieren mußte. Der Könnende ist zugleich der Wissende; dieses Geheimnis offenbart die strahlende und doch in der Tiefe der seelischen Probleme so ernste Kunst, deren Ursprünglichkeit uns mitreißt."
Mit Jean Lambert-Rucki (1888-1967) würdigt das Bröhan-Museum einen Künstler, der 1911 aus Krakau in die Kunstmetropole Paris übergesiedelt war und dort als junger Mensch die ereignisreichen Jahre bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges miterlebte. Picasso und Braque hatten mit ihren kubistischen Bildern gerade die Bindung der Kunst an die reale Gegenständlichkeit der Dinge aufgegeben und so die Voraussetzungen zum autonomen Gestalten in der abstrakten Malerei geschaffen. Lambert-Rucki fand Anschluß an die französischen Kubisten, von deren Ideen sein Werk über weite Strecken bestimmt blieb. Der bekannte Kunsthändler Léonce Rosenberg stellte ab 1920 in seiner Pariser Galerie "L' Effort Moderne" Arbeiten von Lambert-Rucki zusammen mit Bildern von Derain, Gleizes, Herbin, Léger, Metzinger, Mondrian, Picasso und anderen aus. In Lambert-Ruckis Gemälden finden sich Stilelemente des dynamischen Kubismus und des Konstruktivismus; sie sind streng architektonisch komponiert und die Inhalte zu Symbolfiguren und Typen entindividualisiert.
Neben den "großen Vier" gehören zum Sammlungsbestand Werke der Maler Lovis Corinth, Hugo Freiherr von Habermann, Franz Heckendorf, Marie Laurencin, Jean Lurçat, Franz Skarbina, Maria Slavona, Lesser Ury u.a.m. Walter Leistikow (1865-1908), der sich um die Berliner Secession am meisten verdient gemacht hat, ist mit mehreren Bildern vertreten. Leistikow gehörte zu den Künstlern, die um 1900 den Rang Berlins als Hauptstadt der modernen Kunst begründeten. Seine Landschaften kennen fast ausschließlich nur ein Thema. Er wird zum einfühlsamen Interpreten der märkischen Wald- und Seenlandschaft in der Umgebung Berlins. In seinen Bildern erscheint aber nicht mehr als eine fotografisch-illusionistische Topographie, sondern ein malerisches Formgefüge, das eine zweite Natur aus rhythmischer Abfolge und Wiederholung aufweist. Leistikow, der in Paris durch die Kunst der Japaner sich stark beeindruckt zeigte, vereinfacht die in der Natur vorgefundenen Elemente und kann damit das Wesentliche, Typische sichtbar machen. Seine träumerischen, von Melancholie geprägten Stimmungsbilder der unmittelbaren Umgebung, eines kargen und eigenartigen Gebiets, dessen Reiz erst durch ihn vermittelt wurde, sind das Gegenteil von "Heimatkunst". Leistikow erfasste bei aller Abstraktion aber so unverwechselbar den Charakter dieser Landschaft, dass man sie heute kaum noch mit anderen Augen ansehen kann.
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© 2008 Bröhan-Museum | Bronze-Figur: Agathon Léonard, Danseuse au bracelet (Tänzerin mit Armband), um 1900, Bronze, goldpatiniert, Susse Frères, Paris | Abb.: Karl Hagemeister, Teich in der Mark, um 1902, Öl auf Leinwand | Webdesign unicom-berlin.de
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