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Die spanische Tänzerin /
Der spanische Tänzer

Robj, Paris 1929/30, Entwurf Guerbe / Margerie
Ausführung durch Villeroy & Boch Luxemburg
Fayence, hellgrau glasiert
Inv.-Nr. 13-008 und 80-161

Kunstwerk des Monats Mai

Endlich ist es gelungen, die Skulptur des „Spanischen Tänzers“ in der Sammlung des Bröhan-Museums durch seine Tanzpartnerin zu ergänzen. Das Paar, hellgraue Fayencen, wurde 1929/30 von der Pariser Firma Robj geschaffen. Elegant neigt die „Spanische Tänzerin“ ihr Haupt: Ihr gesamter Körper, von der linken Fußspitze bis zur über den Kopf gestreckten Hand bildet einen Bogen, der die Bewegung ihres männlichen Gegenparts spiegelt. Der Kreis, den beide Figuren damit bilden, lässt die einzelnen Skulpturen zu einer harmonischen Einheit verschmelzen.

Die Kastagnetten in der Hand der Dame und deren Kleid mit den stilisierten Borten am unteren Rand des Rockes lassen darauf schließen, dass es sich bei dem Tanz um einen Flamenco handelt. Das Paar ist als Zweifiguren-Gruppe angelegt, denn den Flamenco tanzt man normalerweise allein, es ist also kein Paartanz. Die Skulptur zeigt, wie bei diesem Tanz alle Teile des Körpers involviert werden: Beine, Oberkörper, Arme, selbst die Handbewegung und Blickrichtung spielen eine Rolle. Beim Flamenco tanzt die Frau in weicheren Formen als der Mann, was der Entwerfer der Skulptur in seiner Ausführung berücksichtigt hat: Die Körperformen und Bewegungen der Tänzerin bestehen aus sanften Abrundungen. Beim Tänzer hingegen wurden sowohl in Kleidung als auch im Gesicht eher kantige Formen verwendet, was einem zackigeren Tanzstil entspricht und an kubistische Formen erinnert. Die beiden Skulpturen sind also, obwohl sie ein Paar bilden, unterschiedlich ausgebildet.

Der Tanz war in der Kunst des Art Deco ein beliebtes Thema. Vor allem der Ausdruckstanz wurde sehr oft von Künstlern dargestellt. Auch Robj setzte gern in Skulptur um, was auf der Bühne geschah. Das konnten moderne Tänzer sein oder auch Jazz-Ensembles.

Hinter dem Namen Robj, den die Figuren als Prägestempel tragen, verbirgt sich eine Pariser Firma, die in den 1920er und 30er Jahren bestand und die sich auf Kunstgewerbe aber auch Kuriositäten und sogenannte Bibelots spezialisierte. Dieser französische Begriff lässt sich am ehesten mit einem Kleinkunstwerk oder einer Nippsache gleichsetzen, jedoch ohne den leicht abfälligen Beiklang. Spezialität von Robj waren teilweise skurrile Objekte wie eine Porzellanlampe in Gestalt eines Cowboys oder ein Krug in Gestalt eines Mönches. Es war ein Markenzeichen von Robj, dass sich die Funktion dem oft originellen Dekor unterordnete und humoristische Aspekte eine wichtige Rolle spielten. Weitere Beispiele hierfür sind die Likörflasche für Wodka in Form eines typisierten Russen, die sich ebenfalls in der Sammlung des Museums befindet, oder die Flasche für Whisky, der man das Äußere eines Schotten gab. Die spanischen Tänzer heben sich vom übrigen Programm in ihrer schlichten Gestaltung in hellgrauer Glasur ab.

Der Unternehmer Jean Born gründete das Unternehmen zusammen mit Lucien Willemetz. Die Figuren und Objekte wurden dabei anonym entworfen, nur manche Urheber sind durch einen Wettbewerb für Kunstgegenstände aus Keramik, den Robj seit 1927 jährlich ausrief, nachzuvollziehen. Bei dem Tanzpaar sind die Namen Margerie und Guerbe überliefert. Bei der Herstellung arbeitete Robj mit verschiedenen Manufakturen zusammen. Die spanischen Tänzer wurden in der Keramikmanufaktur Villeroy & Boch in Luxemburg hergestellt.


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(Stand: 05/2013)


© 2008 Bröhan-Museum | Bronze-Figur: Agathon Léonard, Danseuse au bracelet (Tänzerin mit Armband), um 1900, Bronze, goldpatiniert, Susse Frères, Paris | Abb.: Zigarettenetuis, Raymond Templier, 1928/30 | Webdesign unicom-berlin.de